Der Osten Islands wird auf der Ringstraße oft einfach durchfahren – zwischen Jökulsárlón im Süden und Mývatn im Norden liegt eine lange Strecke, die viele Reisende möglichst schnell hinter sich bringen wollen. Dabei verpassen sie eine der ruhigsten und ursprünglichsten Regionen des Landes: bunte Fjorddörfer, farbenprächtige Wasserfälle, eine der besten Papageientaucher-Kolonien Islands und Fjordstraßen, auf denen Ihr oft komplett allein unterwegs seid.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Warum den Osten Islands besuchen?
Während Südisland und der Golden Circle an manchen Tagen von Reisebussen überlaufen sind, trefft Ihr in den Ostfjorden oft stundenlang kaum ein anderes Auto. Die Region ist landschaftlich den Westfjorden nicht unähnlich – schmale Fjorde, steile Berge, kleine Fischerdörfer – aber deutlich einfacher zu erreichen, weil die Ringstraße direkt hindurchführt statt einen großen Umweg zu erfordern.
Highlights im Osten Islands
Hengifoss & Litlanesfoss
Der mit rund 128 Metern dritthöchste Wasserfall Islands – leuchtend rote Tonsteinschichten zwischen schwarzen Basaltlagen, dazu unterwegs der von Basaltsäulen eingerahmte Litlanesfoss. Alle Details zur Wanderung, Anfahrt und den besten Fototipps in unserem Hengifoss-Guide.
Seyðisfjörður
Das mit Abstand fotogenste Dorf der Ostfjorde: bunte Holzhäuser im skandinavischen Stil, dazu die berühmte „Regenbogenstraße“, die direkt auf die blaue Holzkirche zuläuft. Seyðisfjörður ist außerdem der Ankunftshafen der Norröna-Fähre aus Dänemark (mehr dazu in unserem Anreise-Guide) und hat eine lebendige Kunstszene mit mehreren Galerien. Direkt am Ortsrand liegt der Gufufoss, ein 27 Meter hoher Wasserfall direkt an der Straße 93.
Borgarfjörður eystri – Papageientaucher & Elfen
Von April bis Mitte August brütet bei Hafnarhólmi, nur wenige Minuten vom Ortskern entfernt, eine der zugänglichsten Papageientaucher-Kolonien Islands – ein ausgebauter Weg führt mitten hindurch, oft kommt Ihr den Vögeln auf wenige Meter nahe. Der Fjord ist außerdem als Heimat der Elfenkönigin bekannt (der Hügel Álfaborg direkt im Ort) und Ausgangspunkt für die berühmte Wanderung zu den bunten Felsformationen von Stórurð im Hochland dahinter. Falls Ihr dort mit der Drohne fotografieren wollt: Für Stórurð gelten seit Mai 2026 strenge Einschränkungen, Details in unserem Drohnen-Guide.
Stuðlagil Canyon
Eine enge Schlucht aus dicht aneinandergereihten Basaltsäulen mit türkisfarbenem Gletscherfluss – erst seit einer Stauseeregulierung vor einigen Jahren in dieser Form sichtbar und seither einer der meistfotografierten Orte Islands. Die östliche Zufahrt führt nach rund 30 Minuten Wanderung bis auf den Grund der Schlucht, ca. 20 Minuten von der Ringstraße entfernt.
Stokksnes & Vestrahorn
Am südlichen Rand der Region: schwarzer Lavasandstrand, grüne Grashügel und der zackige Vestrahorn im Hintergrund – einer der fotogensten Orte Islands. Alle Details in unserem Stokksnes-Guide.

Petra’s Steinasafn in Stöðvarfjörður
Eine private Mineralien- und Steinsammlung im Garten und Wohnhaus einer Einheimischen, über Jahrzehnte zusammengetragen – kurios, liebevoll und ein beliebter Zwischenstopp für alle, die etwas abseits der Naturhighlights sehen wollen.
Papey – Insel der Papageientaucher und Robben
Von Djúpivogur aus werden in manchen Saisons Bootstouren zur unbewohnten Insel Papey angeboten, bekannt für Vogelfelsen, Robbenbänke und Islands älteste noch erhaltene Holzkirche – das Angebot schwankt allerdings von Jahr zu Jahr, prüft die aktuelle Verfügbarkeit vorher direkt bei örtlichen Anbietern in Djúpivogur.
Egilsstaðir – das Tor zum Osten
Egilsstaðir ist die größte Stadt der Region und ein praktischer Stützpunkt: Supermarkt, Tankstellen und die einzige nennenswerte Infrastruktur auf weiter Strecke. Direkt daneben liegt der See Lagarfljót, um den sich die Sage des Seeungeheuers Lagarfljótsormurinn rankt – Islands Antwort auf Loch Ness.

Route & Zeitplanung
Die meisten Ringstraßen-Reisenden durchqueren die Ostfjorde in einem einzigen langen Fahrtag – das ist möglich, aber schade. Wer 2 bis 3 Tage einplant, kann Hengifoss, Seyðisfjörður, Borgarfjörður eystri und Stuðlagil Canyon in Ruhe verbinden, statt nur an der Ringstraße entlangzufahren. Wer weniger Zeit hat, sollte sich auf Hengifoss plus einen Abstecher nach Seyðisfjörður oder Borgarfjörður eystri konzentrieren.
Die Straßen in der Region sind überwiegend asphaltiert, einige Abschnitte der Ringstraße in den Ostfjorden sind aber noch schmal und kurvenreich – mehr zu Straßenbedingungen und Fahrregeln in unserem Guide zum Autofahren in Island.

Praktische Infos
- Bester Stützpunkt: Egilsstaðir – zentral gelegen, gute Infrastruktur
- Beste Reisezeit für Papageientaucher: April bis Mitte August, Hochsaison Juni/Juli
- Anfahrt ab Reykjavík: ca. 650–670 km bzw. 7–8 Stunden reine Fahrzeit auf der Ringstraße
- Fähre: Seyðisfjörður ist der einzige Fährhafen Islands (Norröna aus Dänemark über die Färöer)
- Tanken: In Egilsstaðir, Seyðisfjörður und den größeren Fjorddörfern ausreichend Tankstellen, dazwischen teils große Lücken
Wo übernachten im Osten Islands?
Egilsstaðir bietet die größte Auswahl an Hotels und Gästehäusern der Region. Wer es ruhiger mag, findet in Seyðisfjörður charmante kleine Unterkünfte mit Fjordblick, und in Borgarfjörður eystri sowie Djúpivogur gibt es einfache Gästehäuser für alle, die abseits der Ringstraße übernachten wollen. Über Booking.com lassen sich die meisten Unterkünfte der Region vorab buchen – in der Hauptsaison lohnt sich frühes Buchen, da das Angebot in kleinen Orten begrenzt ist.
Häufige Fragen zum Osten Islands
Lohnt sich ein Abstecher in die Ostfjorde?
Ja – die Region wird von den meisten Ringstraßen-Reisenden übersehen, bietet dafür aber ruhige Fjordlandschaften, bunte Dörfer wie Seyðisfjörður und eine der besten Papageientaucher-Kolonien Islands in Borgarfjörður eystri.
Wie viele Tage sollte man für den Osten Islands einplanen?
Mindestens 1 vollen Tag für Hengifoss und einen Abstecher, besser 2 bis 3 Tage, um auch Seyðisfjörður, Borgarfjörður eystri und Stuðlagil Canyon in Ruhe zu besuchen.
Wo sieht man im Osten Islands Papageientaucher?
Am besten bei Hafnarhólmi in Borgarfjörður eystri (April bis Mitte August) oder bei einer Bootstour zur Insel Papey ab Djúpivogur.
Was ist Seyðisfjörður bekannt?
Für seine bunten Holzhäuser, die berühmte „Regenbogenstraße“ zur blauen Kirche, seine Kunstszene und als einziger Fährhafen Islands.
Ist der Stuðlagil Canyon einen Umweg wert?
Ja – die enge Basaltsäulen-Schlucht mit türkisfarbenem Fluss liegt nur rund 20 Minuten von der Ringstraße entfernt und gehört zu den meistfotografierten Orten Islands.
Fazit
Der Osten Islands ist keine Region für einen kurzen Fotostopp, sondern belohnt alle, die sich Zeit nehmen: bunte Fjorddörfer, eine der zugänglichsten Papageientaucher-Kolonien des Landes und Straßen, auf denen Ihr die Ruhe abseits der Touristenströme wirklich spürt. Plant für die Durchquerung nicht nur einen Fahrtag, sondern wenn möglich zwei bis drei Tage ein.