Reiseplanung & Praktisches

Autofahren in Island: Regeln, Bußgelder & Straßenverhältnisse (2026)

von sabrina · Aktualisiert: 17. Juli 2026

Autofahren gehört in Island zu den Aktivitäten, die Ihr am meisten macht – die Entfernungen sind groß, es gibt kaum öffentlichen Nahverkehr, und es gibt einfach zu viel zu entdecken. Auf unseren eigenen Roadtrips über mehrere tausend Kilometer sind wir auf so gut wie alle Besonderheiten gestoßen, die Island für Autofahrer bereithält – einspurige Brücken, Tunnel, freilaufende Schafe und Bußgelder, die es in sich haben. Hier bekommt Ihr die komplette Übersicht, faktengecheckt und auf 2026 aktualisiert.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Grundregeln beim Autofahren in Island

Die grundlegenden Verkehrsregeln unterscheiden sich kaum von Deutschland, ein paar Besonderheiten solltet Ihr aber kennen:

  • Tempolimits: innerorts 50 km/h, außerorts auf Schotterpisten 80 km/h, auf asphaltierten Straßen 90 km/h. In Wohngebieten gilt oft 30 km/h – immer auf Beschilderung achten.
  • Lichtpflicht: wie in den meisten skandinavischen Ländern gilt ganzjährig und rund um die Uhr Lichtpflicht, auch tagsüber.
  • Promillegrenze: maximal 0,5 ‰. Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen im Bereich von mehreren hundert Euro.
  • Anschnallpflicht: für alle Insassen, Kinder unter 150 cm Körpergröße müssen in einem passenden Kindersitz sitzen.
  • Warnwesten: Pflicht im Fahrzeug, müssen bei einer Panne oder einem Unfall außerhalb des Autos getragen werden.

Einspurige Brücken und Tunnel

Viele Brücken in Island sind einspurig – egal ob große Metallbrücke wie an der Jökulsárlón-Gletscherlagune oder einfache Holzbrücke. Das wird vorher mit Schildern angekündigt, gleichzeitig gilt dort meist ein Tempolimit von 50 km/h. Ist Gegenverkehr schon auf der Brücke, haltet Ihr einfach kurz an und lasst ihn durch. Grundsätzlich hat das Fahrzeug Vorfahrt, das die Engstelle zuerst erreicht.

Ähnlich läuft es bei Tunneln: Ein großer Teil der isländischen Tunnel, vor allem in den Westfjorden, ist einspurig und wird trotzdem in beide Richtungen befahren. Alle paar hundert Meter gibt es Haltebuchten zum Ausweichen bei Gegenverkehr. Ungewohnt, aber nach ein, zwei Malen kein Problem mehr.

Straßenverhältnisse: Asphalt und Schotter

Die Straßen in Island lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: gut ausgebaute, asphaltierte Straßen und holprige Schotterpisten. Auch wer nur die Ringstraße plant, sollte sich auf Schotterabschnitte einstellen – an einigen Stellen wechselt die Fahrbahn ohne große Vorwarnung von Asphalt auf Schotter, meist mit Schildern einige hundert Meter vorher angekündigt. Wer diese Schilder übersieht und mit 80-90 km/h auf die Piste brettert, riskiert Kontrollverlust und Steinschlagschäden – die können euch übrigens auch auf und in der Nähe der Ringstraße passieren, nicht nur im Hochland.

Schotterstraße im isländischen Hochland

Praktischer Tipp für die Routenplanung: Bei der Vorabplanung mit Google Maps kann es passieren, dass im Winter recherchierte Routen für den Sommerurlaub über deutlich längere Strecken führen, weil Google im Winter gesperrte Straßen automatisch ausschließt. Stellt in Google Maps testweise ein Abfahrtsdatum im Sommer ein, dann werden auch die dann offenen Straßen berücksichtigt.

Tiere auf der Straße

Auf Islands Straßen begegnen Euch immer wieder Tiere – am häufigsten Schafe, dazu Vögel und vereinzelt Polarfüchse. Schafe bekommen im Juni ihre Lämmer, und die sind notorisch unberechenbar: Sie laufen gerne direkt vor Euer Auto, wenn das Muttertier auf der anderen Straßenseite steht. Fahrt daher vorausschauend und bremst rechtzeitig, wenn Ihr Tiere am Straßenrand seht. Auch Vögel auf der Fahrbahn fliegen nicht immer rechtzeitig weg – ein kurzes Hupen hilft meist.

Pferde auf Islands Straßen

Bußgelder in Island – aktuelle Werte 2026

Isländische Bußgelder haben es in sich, und die Werte haben sich in den letzten Jahren spürbar erhöht – ältere Quellen mit deutlich niedrigeren Beträgen (etwa 40 € für Handynutzung am Steuer) sind mittlerweile veraltet. Die folgenden Werte basieren auf aktuellen isländischen Quellen (Stand Anfang 2026):

Verstoß Bußgeld (ca.)
Handynutzung am Steuer 40.000 ISK (~270 €)
Rotlichtverstoß 50.000 ISK (~340 €)
Vorfahrt/Yield-Schild missachtet 30.000 ISK (~205 €)
Gurtpflicht missachtet 20.000 ISK (~135 €)
Verkehrsschild missachtet 20.000 ISK (~135 €)
Alkohol am Steuer (ab 0,5 ‰) ab ca. 590 €, deutlich mehr je nach Promillewert
Geschwindigkeitsüberschreitung gestaffelt nach Zone und km/h, ca. 160–660 €

Werte umgerechnet und gerundet, Stand Anfang 2026 – Bußgelder können sich ändern, im Zweifel vor Ort informieren. Bei sofortiger Zahlung gibt es häufig einen Rabatt von 20-25%.

Blitzer gibt es in Island vor allem in der Nähe von Reykjavík und an der südlichen Ringstraße, meist vorher mit Schild angekündigt. Zunehmend kommen aber auch Streckenradar zum Einsatz, die eine Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Distanz messen – hier hilft kein kurzes Abbremsen am Blitzer. Bei Mietwagen werden Bußgelder in der Regel automatisch über die beim Vermieter hinterlegte Kreditkarte abgebucht, oft zzgl. einer Bearbeitungsgebühr des Vermieters.

Maut in Island

Bis auf eine Ausnahme ist Autofahren in Island mautfrei: Der Vaðlaheiðargöng-Tunnel bei Akureyri im Norden ist die einzige mautpflichtige Strecke des Landes. Die Maut (Stand 2026 rund 2.200 ISK / ca. 15 € pro einfache Fahrt für normale PKW) muss innerhalb von 24 Stunden vor oder nach der Durchfahrt online bezahlt werden, nicht direkt an der Mautstelle.

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Tankstellen in Island

Entlang der Ringstraße ist das Tankstellennetz gut ausgebaut, in entlegenen Regionen wie dem Hochland (gar keine Tankstellen) oder den Westfjorden (nur wenige) solltet Ihr rechtzeitig volltanken. Die meisten Tankstellen sind Self-Service: Ihr steckt Eure Kreditkarte in den Automaten, schaltet den Tankvorgang frei, wählt meist einen Maximalbetrag (bei der Kette N1 teils auch „unbegrenzt“) und tankt danach ganz normal. Der Maximalbetrag wird zunächst auf Eurer Karte reserviert, abgebucht wird nach einigen Minuten aber nur der tatsächlich getankte Betrag.

F-Roads, Hochland und Flüsse furten

Wer ins isländische Hochland will, kommt an sogenannten F-Roads nicht vorbei – unbefestigten Pisten, die nur mit zugelassenen Allradfahrzeugen befahren werden dürfen. Ein normaler 2WD-Mietwagen darf hier nicht fahren, das gilt für Versicherung und Gesetz gleichermaßen. F-Roads öffnen erst im späten Frühsommer und schließen im Herbst wieder, den aktuellen Status prüft Ihr immer vorher auf road.is. Eine Übersicht aller wichtigen Hochlandpisten mit Schwierigkeitseinschätzung findet Ihr in unserem F-Roads-Guide.

Viele F-Roads führen durch Flüsse ohne Brücke – das sogenannte Furten. Das ist der anspruchsvollste und gefährlichste Teil des isländischen Hochlandfahrens: Die Wassertiefe kann sich täglich ändern, und die meisten Versicherungen decken Furtschäden nicht ab. Grundregel: nie eine Furt blind durchfahren, im Zweifel zu Fuß die Tiefe prüfen oder umkehren. Bei unseren eigenen Hochland-Etappen – etwa zum Laki-Krater über die F206 oder nach Landmannalaugar über die F208 – sind wir gut mit einem Dacia Duster zurechtgekommen, solange die Furten nicht zu tief waren. Bei tieferen Furten war für uns jeweils Schluss, dafür braucht es einen echten Geländewagen.

Anhalten neben der Straße

Ein häufiger Frust auf Island: Ihr seht einen schönen Wasserfall oder eine Schlucht direkt neben der Straße, könnt aber nirgends anhalten. Es gibt kaum Seitenstreifen, und die Flächen neben der Straße sind oft abschüssig oder eingezäunt – entweder weil dort Tiere weiden oder weil es sich um Privatbesitz handelt. Bei offiziellen Sehenswürdigkeiten gibt es dagegen fast immer einen ausgewiesenen Besucherparkplatz – nutzt diesen, statt spontan am Straßenrand zu halten.

Straßen auf Island entlang der Küste

Häufige Fragen zum Autofahren in Island

Braucht man einen Allradwagen für Island?

Für die asphaltierte Ringstraße im Sommer reicht ein normaler Mietwagen. Für F-Roads ins Hochland ist ein zugelassener Allradwagen Pflicht, im Winter ist Allrad grundsätzlich empfehlenswert.

Wie hoch sind Bußgelder in Island wirklich?

Deutlich höher als viele ältere Reiseberichte vermuten lassen – Handynutzung am Steuer kostet inzwischen rund 40.000 ISK (ca. 270 €), nicht die früher oft zitierten 40 €. Bei sofortiger Zahlung gibt es meist einen Rabatt.

Gibt es in Island Maut?

Nur eine Strecke: der Vaðlaheiðargöng-Tunnel bei Akureyri. Die Maut muss online bezahlt werden, nicht an einer Mautstelle vor Ort.

Was mache ich, wenn ein Schaf auf die Straße läuft?

Geschwindigkeit rechtzeitig reduzieren und vorausschauend fahren, besonders im Juni während der Lammzeit. Lämmer laufen oft unvermittelt über die Straße, wenn das Muttertier auf der anderen Seite steht.

Darf ich mit dem Mietwagen Flüsse furten?

Nur mit einem dafür geeigneten Allradfahrzeug und mit Vorsicht – am besten vorher zu Fuß die Tiefe prüfen. Die meisten Mietwagenversicherungen decken Furtschäden nicht ab, im Zweifel lieber umkehren.

Fazit

Autofahren in Island unterscheidet sich in den Grundregeln kaum von Deutschland – die Besonderheiten liegen im Detail: einspurige Brücken und Tunnel, wechselnde Straßenverhältnisse, freilaufende Tiere und Bußgelder, die deutlich höher ausfallen als in den meisten anderen Ländern Europas. Wer sich vorher informiert und auf Schilder sowie road.is achtet, kommt entspannt durch die raue, aber wunderschöne isländische Landschaft.

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