Hochland

Laki-Krater Island: F206 auch ohne Geländewagen? (2026)

von sabrina · Aktualisiert: 16. Juli 2026

Der Laki-Krater gehört zu den eindrucksvollsten und zugleich abgelegensten Zielen im isländischen Hochland – eine 25 Kilometer lange Kraterreihe, moosbewachsen und fast menschenleer. Wir waren im Juli 2021 dort und sind selbst mit einem Allrad-SUV über die Hochlandpiste F206 gefahren – hier ist alles, was Ihr für den Besuch wissen müsst.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Was ist der Laki-Krater?

Der Laki (isländisch Lakagígar, „Laki-Krater“) ist keine einzelne Vulkankuppe, sondern eine rund 25 Kilometer lange Spalte mit mehr als 130 einzelnen Kratern im Süden Islands. Das Gebiet liegt im Vatnajökull-Nationalpark, nordwestlich von Kirkjubæjarklaustur, und zählt zu den eindrucksvollsten Vulkanlandschaften des Landes: dunkles Lavagestein, dicht bewachsen mit leuchtend grünem Moos, so weit das Auge reicht.

Moosbewachsene Vulkanlandschaft am Laki-Krater, Island

Der Ausbruch von 1783/84 – die Móðuharðindin

Am 8. Juni 1783 begann entlang der Laki-Spalte einer der folgenschwersten Vulkanausbrüche der Geschichte. Acht Monate lang, bis zum 7. Februar 1784, strömte Lava aus der Spalte – insgesamt rund 14 Kubikkilometer, genug um eine Fläche von der Größe Berlins meterhoch zu bedecken. Gleichzeitig gelangten etwa 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid und 8 Millionen Tonnen Fluor in die Atmosphäre.

Die Folgen für Island waren verheerend: Das fluorhaltige Vulkanasche vergiftete Weideland und Vieh, Missernten durch sauren Regen folgten. Isländer nennen diese Zeit bis heute die „Móðuharðindin“ (Nebel-Notzeit) – schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der isländischen Bevölkerung starben in den folgenden Jahren an Hunger und Krankheit. Der giftige Dunst zog bis nach Syrien, in Europa folgten außergewöhnlich harte Winter – manche Historiker sehen darin sogar einen Mitauslöser für die Missernten, die zur Französischen Revolution beitrugen.

Anreise: die Hochlandpiste F206

Der Laki-Krater ist ausschließlich über die Hochlandpiste F206 (Lakavegur) erreichbar, die von der Ringstraße bei Kirkjubæjarklaustur abzweigt. Die Strecke ist rund 50 Kilometer lang, unbefestigt und führt durch mehrere Flussfurten – ein normaler Mietwagen kommt hier nicht durch. Wir sind die Strecke selbst mit einem Dacia Duster gefahren und hatten auf der reinen Piste keine Probleme – ein einfacher Allrad-SUV dieser Klasse (Duster, Suzuki Jimny, Toyota RAV4 oder vergleichbar) reicht für die F206 aus, einen teuren echten Geländewagen braucht Ihr nicht zwingend. Die eigentliche Herausforderung sind die Flussfurten: Die Wassertiefe kann sich je nach Tageszeit und Wetter binnen Stunden ändern, hier entscheidet Eure Vorsicht mehr als das Fahrzeug.

Wichtig: Die Strecke ist als Einbahnstraßen-Rundweg angelegt. Ihr fahrt auf der F206 zum Laki und müsst über die F207 auf der anderen Seite der Kraterreihe zurück zur Ringstraße – umkehren und denselben Weg zurückfahren ist nicht vorgesehen, die Pisten sind an vielen Stellen zu schmal für Gegenverkehr.

Hochlandstraße F206 zum Laki-Krater, Island

Rechnet für die reine Anfahrt ab Kirkjubæjarklaustur mit mindestens 1,5 bis 3 Stunden pro Strecke, je nach Fahrzeug und Flusspegel. Für einen kompletten Tagesausflug solltet Ihr mit 8 bis 10 Stunden ab Kirkjubæjarklaustur planen, inklusive Wanderung vor Ort.

Tipp: Die F206 öffnet erst spät im Sommer, oft nicht vor Ende Juni oder Anfang Juli, und schließt bereits Anfang September wieder. Prüft den aktuellen Straßenstatus vor der Fahrt immer auf safetravel.is oder road.is.

Alternative: Super-Jeep-Tour ab Kirkjubæjarklaustur

Wer keinen eigenen Geländewagen hat oder sich die Flussfurten nicht zutraut, kommt mit einer geführten Super-Jeep-Tour ab Kirkjubæjarklaustur hin. Die Fahrt dauert mit erfahrenen Guides und speziell umgebauten Fahrzeugen oft nur rund 1,5 Stunden pro Strecke – deutlich schneller als mit einem regulären Mietwagen-4×4. Viele Touren kombinieren den Laki-Krater mit weiteren Stopps wie dem Wasserfall Fagrifoss oder dem Fjaðrárgljúfur Canyon.

Wanderung auf den Laki

Vom Parkplatz führt eine rund 4 km lange Rundwanderung auf den Gipfel des Laki-Bergs (818 m, rund 200 Höhenmeter über der Umgebung), der zentral in der Kraterreihe liegt – geplant sind dafür 1 bis 1,5 Stunden, der Aufstieg selbst ist trotz der Steilheit kein technisch anspruchsvoller Weg und bei guten Bedingungen in unter 30 Minuten machbar. Oben angekommen habt Ihr einen Panoramablick über die gesamte 25 Kilometer lange Kraterreihe in beide Richtungen sowie auf den Vatnajökull-Gletscher am Horizont – einer der beeindruckendsten Ausblicke, die das isländische Hochland zu bieten hat. Teile des Rundwegs können nach Steinschlag über den Winter zeitweise gesperrt sein – dann geht Ihr denselben Weg wieder hinunter.

Am Fuß des Bergs lohnt sich zusätzlich der kurze „Visitor Trail“ (ca. 500 m, etwa 30 Minuten): ein Rundweg direkt durchs erkaltete Lavafeld mit Infotafeln zur Geschichte des Ausbruchs – am Startpunkt gibt es meist eine kleine Broschüre dazu.

Tjarnargígur – der Kratersee an der F207

Auf der Rückfahrt über die F207 kommt Ihr am Parkplatz des Tjarnargígur vorbei, einem der Krater aus der Eruption von 1783 mit auffällig türkisblauem Wasser. Vom Parkplatz führt ein gut ausgebauter Weg in unter 10 Minuten zum See; wer mehr Zeit hat, kann als Rundweg weiter durch die Lavalandschaft zu einem weiteren, namenlosen Krater laufen – insgesamt rund 4,5 km bzw. 1,5 Stunden.

Tjarnargígur Kratersee mit türkisblauem Wasser am Laki, Island

Wanderung auf den Laki-Berg mit Blick über die Kraterreihe

Rangerstation, Camping & Drohnenregeln

Am Parkplatz beim Laki steht eine kleine Rangerstation mit WC – sie ist über den Sommer besetzt, grob zwischen 11 und 17 Uhr, kann je nach Personal aber auch mal leer sein. Die Ranger geben gerne Hintergrundinfos zu Ausbruch und Landschaft, wenn Ihr sie antrefft.

Wer mit Zelt, Dachzelt oder Campervan unterwegs ist: Rund 15 km südlich der Krater liegt die einfache Hütte samt Zeltplatz Blágil (Schlafsackplätze, Küche, Toiletten), geöffnet über die Sommersaison, solange die Hochlandpisten befahrbar sind.

Zum Drohnenfliegen: Das Gebiet liegt im Vatnajökull-Nationalpark. Anders als früher teils dargestellt gilt hier aktuell (Stand 2026) kein pauschales Verbot – Freizeit-Drohnenflüge sind laut den offiziellen Regeln des Nationalparks grundsätzlich erlaubt, mit expliziten Ausnahmen für einzelne Gebiete wie Skaftafell, Jökulsárgljúfur und Askja, die Lakagígar nicht mit einschließen. Prüft trotzdem vor der Reise die aktuellen Drohnenregeln des Nationalparks, da sich Details ändern können.

Praktische Infos zum Laki-Krater

  • Anfahrt: Über die F206 (Lakavegur) ab Kirkjubæjarklaustur, ca. 50 km Hochlandpiste mit Flussfurten
  • Fahrzeug: Allrad-SUV wie ein Dacia Duster reicht für die Piste, normaler Mietwagen kommt nicht durch
  • Saison: Nur Ende Juni/Anfang Juli bis Anfang September befahrbar
  • Wanderung: ca. 4 km Rundweg auf den 818 m hohen Gipfel (rund 200 Höhenmeter), 1 bis 1,5 Stunden eingeplant
  • Eintritt: Kostenlos, Teil des Vatnajökull-Nationalparks
  • Ausrüstung: Festes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung, ausreichend Proviant – keine Versorgung vor Ort
  • Übernachten: Direkt an der Abzweigung der F206 liegt das Hunkubakkar Guesthouse, gute Basis auch für einen frühen Start – Preise vorher aktuell prüfen

Was liegt in der Nähe?

  • Fjaðrárgljúfur Canyon: moosbewachsene Schlucht an der Ringstraße, guter Ausgangspunkt für die Fahrt zum Laki
  • Kirkjubæjarklaustur: letzter Ort mit Tankstelle und Einkaufsmöglichkeit vor der Hochlandpiste
  • Südisland Guide: alle Sehenswürdigkeiten entlang der Ringstraße

Häufige Fragen zum Laki-Krater

Reicht ein normaler Allrad-SUV für den Laki-Krater oder braucht man einen echten Geländewagen?

Ein Allrad-SUV wie ein Dacia Duster reicht für die Piste selbst aus – das haben wir selbst getestet. Ein normaler Mietwagen ohne Allrad kommt aber nicht durch, und bei den Flussfurten entscheidet vor allem Vorsicht und Tagesform des Flusses, nicht nur das Fahrzeug.

Wann ist die F206 zum Laki-Krater geöffnet?

In der Regel von Ende Juni oder Anfang Juli bis Anfang September, abhängig von der Schneeschmelze. Den aktuellen Status vorher auf safetravel.is oder road.is prüfen.

Wie lange dauert die Wanderung auf den Laki?

Rund 4 km Rundweg auf den 818 m hohen Gipfel (ca. 200 Höhenmeter), eingeplant sind 1 bis 1,5 Stunden – bei guten Bedingungen ist der Aufstieg auch in unter 30 Minuten machbar. Oben wartet ein Panoramablick über die gesamte Kraterreihe.

Was geschah beim Ausbruch des Laki 1783?

Ein achtmonatiger Spaltenausbruch, der rund 14 Kubikkilometer Lava freisetzte und durch giftige Gase und Missernten schätzungsweise 20 bis 25 Prozent der isländischen Bevölkerung das Leben kostete – bekannt als die „Móðuharðindin“.

Kann man den Laki-Krater ohne eigenen Geländewagen besuchen?

Ja, über geführte Super-Jeep-Touren ab Kirkjubæjarklaustur, die die Flussfurten sicher und meist schneller bewältigen als ein regulärer Mietwagen-4×4.

Darf man am Laki-Krater eine Drohne fliegen?

Das Gebiet liegt im Vatnajökull-Nationalpark, wo Freizeit-Drohnenflüge grundsätzlich erlaubt sind – Lakagígar zählt nicht zu den explizit gesperrten Zonen wie Skaftafell oder Askja. Prüft trotzdem vorab die aktuellen Regeln auf der Nationalpark-Website, da sich Details ändern können.

Muss man beim Laki-Krater denselben Weg zurückfahren?

Nein – die Strecke ist als Rundweg angelegt: Hinfahrt über die F206, Rückfahrt über die F207 auf der anderen Seite der Kraterreihe. Umkehren ist wegen der schmalen Piste an vielen Stellen ohnehin nicht praktikabel.

Fazit

Der Laki-Krater ist kein Ort für einen spontanen Zwischenstopp – die Anfahrt über die F206 kostet Zeit und erfordert das richtige Fahrzeug. Aber gerade diese Abgeschiedenheit macht den Besuch so besonders: Kaum ein anderer Ort Islands verbindet eine derart eindrucksvolle Vulkanlandschaft mit einer so folgenschweren Geschichte.

Hochlandgebiet Laki-Krater Island – Panorama über die Kraterlandschaft

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