Die Westfjorde sind der Teil Islands, den die meisten Reisenden aus reinem Zeitmangel auslassen – dabei lohnt sich gerade hier eine eigene Route, weil es praktisch nur eine einzige Straße gibt, die sich in endlosen Schlangenlinien von Fjord zu Fjord schlängelt. Wir sind genau diese Strecke im Juli 2021 auf unserer großen Islandreise von Süden nach Norden gefahren und haben bis heute kein Stück Island im Gedächtnis, das so ursprünglich wirkt. Wer sich einmal für die Region entscheidet, braucht deshalb einen klaren Plan, wie sich die weit auseinanderliegenden Highlights sinnvoll aneinanderreiht lassen. Diese Route zeigt Euch genau das, für 3 bis 5 Tage, mit allen Etappen und Übernachtungsorten – basierend auf unserer eigenen Fahrt und ergänzt um sorgfältig recherchierte Details zu den Stopps, die wir selbst nicht besucht haben.
Zuletzt aktualisiert: August 2026
Westfjorde Route – Kurzübersicht
- Tag 1: Anfahrt über die Route 60 → Rauðasandur & Garðar-Schiffswrack
- Tag 2: Látrabjarg-Klippen & Hnjótur-Museum
- Tag 3: Dynjandi Wasserfall → Hellulaug Hot Pot → Ísafjörður
- Tag 4: Ísafjörður: Altstadt, Wanderung (Naustahvilft oder Valagil), evtl. Walbeobachtung
- Tag 5 (bei 5 Tagen): Rückweg über Drangsnes Hot Pot & Hólmavík zur Ringstraße
3, 4 oder 5 Tage: Was passt zu Euch?
Mit 3 Tagen deckt Ihr die Kernroute ab: Rauðasandur/Látrabjarg im Süden, Dynjandi als bekanntester Wasserfall und Ísafjörður als Ziel – dicht getaktet, aber machbar, wenn Ihr bei der Wanderung in Ísafjörður kürzt. Mit 4 Tagen habt Ihr genug Luft für die Naustahvilft-Wanderung oder eine Walbeobachtungstour ab Ísafjörður, ohne zu hetzen. Mit 5 Tagen kommt der Rückweg über den ruhigen Drangsnes Hot Pot dazu, statt auf demselben Weg zurückzufahren. Unser Westfjorde-Guide gibt Euch zusätzlich einen kompletten Überblick über alle Highlights der Region, falls Ihr einzelne Stopps gegen andere tauschen wollt.
Anfahrt: Über die Straße 60 oder die Baldur-Fähre
Die Westfjorde erreicht Ihr von Reykjavík aus über die Ringstraße und die Straße 60 (Vestfjarðavegur) – rechnet für die reine Anfahrt bis in den Süden der Region mit mehreren Stunden Fahrzeit. Alternativ verkürzt die Fähre Baldur von Stykkishólmur nach Brjánslækur einen Teil der Strecke, besonders praktisch, wenn Ihr die Route mit einem Abstecher auf die Halbinsel Snaefellsnes kombiniert. Ein normaler Mietwagen reicht für die asphaltierten Hauptstraßen, für Nebenstraßen wie die Zufahrt nach Rauðasandur ist ein 4WD-Fahrzeug aber klar von Vorteil.
Was uns bei unserer eigenen Fahrt am meisten überrascht hat: Jeden Fjord durchquert Ihr praktisch zweimal, einmal auf jeder Seite – die Straße folgt der Küstenlinie so konsequent, dass Ihr auf der Karte oft nur wenige Kilometer Luftlinie vorankommt, während der Tacho deutlich mehr anzeigt. Dazu kommen mehrere kilometerlange einspurige Tunnel mit Ausweichbuchten – ungewohnt beim ersten Mal, aber schnell Routine, wenn man langsam fährt und auf Gegenverkehr achtet.
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Westfjorde Route – Tag für Tag
Tag 1 | Anfahrt & Rauðasandur
Nach der Anfahrt über die Straße 60 biegt Ihr auf die Straße 612 Richtung Látrabjarg ab. Nach rund 3 km seht Ihr das rostige Schiffswrack der Garðar BA 64 am Straßenrand, wenige Kilometer weiter zweigt die Straße 614 zum Rauðasandur ab – einem der ungewöhnlichsten Strände Islands, dessen Sand je nach Licht und Gezeiten von Weiß über Gelb bis Rötlich changiert. Die letzten rund 10 km zum Strand sind eine kurvige Schotterpiste ohne durchgehende Leitplanken, daher am besten mit etwas Zeitpuffer einplanen.
Wir selbst sind bei unserer Fahrt an genau dieser Abzweigung vorbeigekommen – schon von der Straße 612 aus wirkt der weite, hell schimmernde Sandstrand tief unten wie ein Fremdkörper in der sonst schwarzen Vulkanlandschaft der Westfjorde, ein Anblick, der uns noch lange im Kopf geblieben ist. Übernachtung in oder nahe Patreksfjörður.

Tag 2 | Látrabjarg-Klippen & Hnjótur-Museum
Weiter über die Straße 612 zu den Látrabjarg-Klippen – dem westlichsten Punkt Islands und einer der größten Vogelkolonien Europas, mit bis zu 441 Meter hohen Felswänden und tausenden Papageientauchern zwischen Juni und August. Unterwegs lohnt sich ein Zwischenstopp im Hnjótur-Museum in Örlygshöfn, das die dramatische Rettung der Besatzung des Trawlers Dhoon im Jahr 1947 dokumentiert. Rechnet für Klippen und Wanderung entlang der Kante mit 2 bis 4 Stunden.

Oben an den Klippen angekommen, ist es vor allem die schiere Menge an Vögeln, die überrascht: Tausende Papageientaucher, Basstölpel und Trottellummen brüten hier dicht an dicht in den Felsspalten, und weil das Gebiet erst seit 2021 offiziell unter Naturschutz steht, ist der Trubel spürbar geringer als an bekannteren Vogelfelsen Islands. Haltet ausreichend Abstand zur Klippenkante, gerade bei Wind – die Wege sind überwiegend flach, aber ungesichert.

Tag 3 | Dynjandi Wasserfall, Hellulaug Hot Pot & Ísafjörður
Der dritte Tag ist der fahrtechnisch längste. Erster Stopp ist der Dynjandi Wasserfall – für uns der Ort auf der ganzen Islandreise, an den wir uns am klarsten erinnern. Es war nicht die Höhe, die uns umgehauen hat, sondern die Ruhe und Weite drumherum: oben nur 30 Meter breit, fächert sich die Kaskade beim Fallen auf stolze 60 Meter auf, über einen 15-20-minütigen Weg erreichbar. Wenn die Sonne durchs Wasser bricht, erkennt Ihr hinter der Gischt sogar die rötlich schimmernden, eisenhaltigen Gesteinsschichten – ein Detail, das viele Besucher übersehen.
Danach der Hellulaug Hot Pot, unser persönlicher Lieblings-Hot-Pot auf ganz Island: ein kleiner, kostenloser Natur-Pool im Vatnsfjörður-Naturreservat, versteckt neben der Straße und trotzdem kaum einsehbar. Bei unserem Besuch hatten wir ihn bei strahlend blauem Himmel und 38°C warmem Wasser völlig für uns allein – links die Felswand, rechts der Atlantik. Achtung, der Google-Maps-Pin zeigt oft eine falsche Stelle, navigiert stattdessen zum Hotel Flókalundur. Übernachtung in Ísafjörður, der größten Stadt und dem besten Stützpunkt der gesamten Region.

Tag 4 | Ísafjörður: Altstadt, Wanderung & Wale
Ein Tag für die inoffizielle Hauptstadt der Westfjorde: ein Bummel durch die historische Altstadt Neðstikaupstaður mit ihren Holzhäusern aus dem 18. Jahrhundert, danach je nach Kondition entweder die kurze, aber steile Wanderung zur Naustahvilft (rund 170 Höhenmeter) mit Blick über Stadt und Fjord, oder die moderate 2-2,5-stündige Wanderung zum Valagil-Wasserfall rund 25 km südlich der Stadt. Wer noch Zeit hat, bucht eine Walbeobachtungstour im ruhigen Ísafjarðardjúp – deutlich weniger überlaufen als die großen Touren ab Reykjavík oder Húsavík.
Tag 5 (bei 5 Tagen) | Rückweg über Drangsnes Hot Pot
Statt auf derselben Strecke zurückzufahren, führt der Rückweg über die Straßen 61 und 645 zum Drangsnes Hot Pot – drei kostenlose Kunststoffwannen direkt am Meer, deutlich ruhiger als die bekannteren Hot Pots Islands. Von dort geht es über Hólmavík zurück zur Ringstraße. Bei nur 3-4 Tagen fahrt Ihr stattdessen auf demselben Weg zurück, den Ihr gekommen seid.

Wo übernachten auf der Westfjorde Route?
Zwei Stützpunkte decken die komplette Route ab: Patreksfjörður im Süden für Rauðasandur und Látrabjarg, und Ísafjörður im Norden für Dynjandi, Hellulaug und alles rund um die Stadt selbst. Beide Orte haben ein überschaubares, aber solides Angebot – in der Hochsaison (Juni bis August) lohnt sich frühzeitiges Buchen über Booking.com, da das Gesamtangebot in der Region begrenzt ist.
Praktische Tipps für die Westfjorde Route
- Fahrzeug: Für die Hauptstraße 60 reicht ein normaler Mietwagen, für Nebenstraßen wie nach Rauðasandur oder Látrabjarg ist ein 4WD-Fahrzeug klar von Vorteil.
- Tankstellen: Selten, besonders im Norden der Region – auftanken, sobald Ihr eine seht, spätestens in Patreksfjörður oder Ísafjörður.
- Straßenstatus: Vor jeder Etappe auf safetravel.is oder road.is prüfen – Bedingungen ändern sich in den Westfjorden kurzfristig.
- Beste Reisezeit: Juni bis September, außerhalb dieser Zeit sind viele Nebenstraßen unzuverlässig oder gesperrt.
- Handyempfang: Meist gut mit LTE, in einzelnen abgelegenen Fjorden und an Rauðasandur aber lückenhaft – Route vorher offline speichern.
Häufige Fragen zur Westfjorde Route
Wie viele Tage braucht man für die Westfjorde Route?
Mindestens 3 Tage für die Kernstopps Rauðasandur, Látrabjarg, Dynjandi und Ísafjörður. Mit 4 bis 5 Tagen habt Ihr Zeit für Wanderungen und den Rückweg über einen anderen Fjord.
Braucht man für die Westfjorde Route einen 4×4?
Für die Hauptstraße 60 nicht zwingend, für Nebenstraßen wie nach Rauðasandur oder Látrabjarg ist ein 4WD-Fahrzeug aber klar von Vorteil, besonders bei schlechtem Wetter.
Was ist der beste Ausgangspunkt für die Route?
Patreksfjörður im Süden für Rauðasandur und Látrabjarg, Ísafjörður im Norden für Dynjandi, Hellulaug und die Stadt selbst – beide zusammen decken die komplette Route ab.
Kann man die Westfjorde Route mit der Ringstraße kombinieren?
Ja, die Route lässt sich gut als Abstecher in eine 2- oder 3-wöchige Islandreise einbauen – Details dazu in unserer Island Rundreise 3 Wochen.
Wann ist die beste Reisezeit für die Westfjorde Route?
Juni bis September, wenn alle Straßen zuverlässig offen sind. Für Papageientaucher an den Klippen von Látrabjarg speziell Juni bis August.
Fazit
Die Westfjorde Route ist kein Ort für einen kurzen Abstecher, sondern eine eigene, in sich geschlossene Reise – wer sich die 3 bis 5 Tage nimmt, bekommt dafür einen der ursprünglichsten Teile Islands, fast ohne andere Reisende. Wer weniger Zeit hat, sollte die Region eher ganz auslassen als sie zu hetzen – für einen ersten Überblick über alle Highlights lohnt sich zusätzlich ein Blick in unseren Westfjorde-Guide.