Norden

Siglufjörður Island: Herings-Erbe im Norden entdecken (2026)

von sabrina · Aktualisiert: 8. Sep. 2026

Eingebettet zwischen hohen Bergen und dem tiefblauen Wasser eines schmalen Fjords liegt Siglufjörður im Norden Islands. Der kleine Ort wirkt auf den ersten Blick fast wie aus der Zeit gefallen – bunte Häuser säumen den Hafen, Fischerboote liegen im Wasser und die steilen Berghänge bilden eine beeindruckende Kulisse. Lange Zeit war Siglufjörður das Zentrum des isländischen Heringsfangs und spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte des Landes. Heute ist der Ort ein lohnenswerter Zwischenstopp auf einer Reise durch Nordisland. Ob ihr durch den Hafen spaziert, mehr über die bewegte Vergangenheit erfahren oder die beeindruckende Landschaft rund um den Fjord erkunden möchtet – Siglufjörður hat seinen ganz eigenen Charme.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

Was ist Siglufjörður?

Siglufjörður ist mit rund 1.200 bis 1.300 Einwohnern der nördlichste Ort Islands, nur etwa 40 Kilometer südlich des Polarkreises am Ende eines schmalen, tief eingeschnittenen Fjords im Norden der Halbinsel Tröllaskagi gelegen. Bis in die 1950er-Jahre war der Ort das Zentrum der isländischen Heringsindustrie und zeitweise einer der geschäftigsten Häfen des Landes – auf dem Höhepunkt des „Heringsrausches“ lebten und arbeiteten hier laut dem Herings-Zeitalter-Museum bis zu 15.000 Menschen und mehr als 400 registrierte Fischerboote, ein Vielfaches der heutigen Einwohnerzahl. Nach dem Zusammenbruch der Heringsbestände Ende der 1960er-Jahre schrumpfte der Ort deutlich; seit 2006 gehört er zur Gemeinde Fjallabyggð, gemeinsam mit dem benachbarten Ólafsfjörður.

Bunte Häuser im Hafenstädtchen Siglufjörður, Nordisland

Anfahrt: Über zwei Tunnel nach Siglufjörður

Von Akureyri erreicht Ihr Siglufjörður über die Straße 82 durch Dalvík, rund 76 Kilometer bzw. etwa 1 Stunde 15 Minuten Fahrzeit, die Strecke wird zunehmend bergig und landschaftlich eindrucksvoll. Seit 2010 führt die Route durch ein zweiteiliges Tunnelsystem: das ältere Múlagöng-Tunnel-Stück und die Héðinsfjarðargöng, die am 2. Oktober 2010 eröffnet wurden und aus zwei separaten Röhren mit einer Gesamtlänge von rund 11 Kilometern bestehen.

Zwischen den beiden Röhren liegt mitten im menschenleeren Héðinsfjörður ein kleiner Rastplatz mit Aussicht – ein ungewöhnlicher Zwischenstopp mitten im Berg. Vor den Tunneln war Siglufjörður im Winter zeitweise nur über eine hohe Passstraße oder per Boot erreichbar; die Tunnelverbindung hat die Anbindung an den Rest Nordislands grundlegend verändert.

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Herings-Zeitalter-Museum: Islands größtes maritimes Museum

Das Síldarminjasafn Íslands (Herings-Zeitalter-Museum) dokumentiert auf drei historischen Gebäuden am Hafen die Geschichte der isländischen Heringsindustrie und wurde 1994 eröffnet, 2004 mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet. Das Bátahúsið (Bootshaus) zeigt Ausstellungsstücke aus den Jahren 1938 bis 1954 und wurde 2004 vom norwegischen Kronprinzen Håkon eröffnet, die Grána war einst eine Fischmehl- und Fischölfabrik der 1930er-Jahre, und im Róaldsbrakki – einer 1907 errichteten norwegischen Salzstation – erfahrt Ihr mehr über Fischverarbeitung und -export sowie über das Leben der sogenannten „Heringsmädchen“, deren Unterkünfte in den oberen Stockwerken originalgetreu nachgebaut sind. Geöffnet ist das Museum saisonal von Mai bis September täglich, in den Hauptmonaten Juni bis August meist von 10 bis 18 Uhr; der Eintritt liegt bei rund 2.400 ISK.

Kirche, Hafen und Folk Music Centre

Die heutige Siglufjarðarkirkja, eine Steinkirche mit 30 Meter hohem Turm, wurde 1932 geweiht – als Nachfolgebau einer kleineren Holzkirche aus dem Jahr 1892. Rund um den Hafen laden mehrere Cafés und Restaurants zu frischem Fisch ein, während das Volksmusikzentrum (Þjóðlagasetrið) der isländischen Volksmusiktradition gewidmet ist und im Sommer regelmäßig Konzerte und ein mehrtägiges Musikfestival ausrichtet. Wer noch etwas Zeit hat, spaziert entlang des Küstenwegs zur kleinen Bucht Pétursvík am Rand des Ortes – ein ruhiger Ausklang für einen Tag in einem Ort, der touristisch deutlich weniger überlaufen ist als Akureyri oder Húsavík.

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Weitere Aktivitäten: Skifahren, Schwimmbad und Brauerei

Neben dem Museum hat Siglufjörður noch einiges mehr zu bieten. Im Winter öffnet mit Skarðsdalur direkt oberhalb des Ortes ein kleines Skigebiet mit vier Liften und rund zehn Pisten – ein Geheimtipp fernab der bekannten isländischen Skigebiete bei Akureyri. Ganzjährig geöffnet ist das örtliche Schwimmbad mit Innen- und Außenbecken, und am Hafen braut die kleine Craft-Brauerei Segull 67 eigenes Bier. Filmfans kennen den Ort womöglich auch aus der Netflix-Krimiserie „Trapped“ (Ófærð), die hier gedreht wurde – auch die „Dark Iceland“-Romanreihe des Autors Ragnar Jónasson spielt in und um Siglufjörður.

Wo übernachten in Siglufjörður?

Der Ort selbst hat eine überschaubare, aber solide Auswahl an Gästehäusern und kleineren Hotels direkt am Hafen – für die Hochsaison (Juni bis August) lohnt sich frühzeitiges Buchen, da das Angebot begrenzt ist. Alle verfügbaren Unterkünfte findet Ihr über Booking.com. Wer flexibler ist, nutzt Akureyri mit seiner deutlich größeren Hotelauswahl als Basis und fährt Siglufjörður als Tagesausflug an.

Praktische Tipps für den Besuch

Die beste Reisezeit für Siglufjörður ist wie im übrigen Norden Islands der Sommer zwischen Juni und August, wenn das Museum durchgehend geöffnet hat und die Tunnelstraßen zuverlässig befahrbar sind. Ein normaler Mietwagen reicht für die komplett asphaltierte Anfahrt über Dalvík und die Tunnel völlig aus, ein Allradfahrzeug ist hier nicht nötig. Rechnet für einen Besuch des Museums plus einen Spaziergang durch den Ort mit mindestens 2 bis 3 Stunden, eher einen halben Tag, wenn Ihr auch noch am Hafen essen wollt.

Was liegt in der Nähe?

  • Island Norden: Unser Überblicksguide zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der gesamten Region.
  • Hauganes: Hot Pots am schwarzen Strand und Islands älteste Walbeobachtung, rund eine Autostunde südlich über Dalvík.
  • Akureyri: Die „Hauptstadt des Nordens“ mit der größten Auswahl an Unterkünften der Region, guter Ausgangspunkt für einen Tagesausflug.

Häufige Fragen zu Siglufjörður

Wie kommt man nach Siglufjörður?

Von Akureyri über die Straße 82 durch Dalvík und die Tunnel Múlagöng sowie Héðinsfjarðargöng, rund 76 Kilometer bzw. etwa 1 Stunde 15 Minuten Fahrzeit.

Was ist das Herings-Zeitalter-Museum?

Ein 1994 eröffnetes, mehrfach ausgezeichnetes Museum auf drei historischen Hafengebäuden, das die Geschichte von Islands einstiger Heringsindustrie dokumentiert. Geöffnet saisonal von Mai bis September, Eintritt rund 2.400 ISK.

Wie viele Einwohner hat Siglufjörður?

Rund 1.200 bis 1.300 – zum Vergleich: Am Höhepunkt der Heringsindustrie im frühen 20. Jahrhundert lebten und arbeiteten hier zeitweise bis zu 15.000 Menschen.

Ist Siglufjörður ein Tagesausflug von Akureyri wert?

Ja, für Museum, Hafen und einen Spaziergang durch den Ort reichen 2 bis 3 Stunden gut, mit Essen am Hafen eher ein halber Tag – die Fahrt dorthin ist wegen der Tunnel und der Fjordlandschaft schon für sich ein Erlebnis.

Braucht man für die Anfahrt einen Allradwagen?

Nein, die komplette Strecke über Dalvík und die Tunnel ist asphaltiert und mit einem normalen Mietwagen ganzjährig gut befahrbar.

Fazit

Siglufjörður ist kein Ort, den man auf der klassischen Ringstraßen-Route zwangsläufig mitnimmt – wer aber ohnehin im Norden Islands unterwegs ist und sich für die Geschichte der Heringsindustrie oder einfach für einen ruhigen, kaum überlaufenen Fjordort interessiert, wird mit einem der eigenständigsten Ziele Nordislands belohnt. Die Fahrt durch die Tunnel allein ist schon einen Umweg wert.

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