Sehenswürdigkeiten

Rauðasandur Island: Der rote Strand der Westfjorde (2026)

von sabrina · Aktualisiert: 27. Aug. 2026

Auf dem Weg zu den Vogelklippen von Látrabjarg sind wir an der Abzweigung zur Rauðasandur-Bucht vorbeigekommen – schon von der Straße 612 aus wirkt der weite, hell schimmernde Sandstrand tief unten wie ein Fremdkörper in der sonst schwarzen Vulkanlandschaft der Westfjorde. Rauðasandur ist einer der ungewöhnlichsten Strände Islands, und einer der am leichtesten zu übersehenden, weil er abseits der Ringstraße liegt.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

Was ist der Rauðasandur?

Der Rauðasandur („roter Sand“) ist ein rund 10 Kilometer langer Strand im Süden der Westfjorde, dessen Sand je nach Licht, Gezeiten und Muschelanteil von Weiß über Gelb und Orange bis zu einem rötlichen Ton wechselt – ein seltener Kontrast zu den sonst überall in Island vorherrschenden schwarzen Lavastränden. Die Farbe stammt von zermahlenen Muschelschalen, die sich hier über Jahrtausende mit vulkanischem Sand vermischt haben. Bei Ebbe legt der Strand eine gewaltige Fläche frei, bei Flut verschwindet er fast komplett unter Wasser. Bei klarer Sicht könnt Ihr von hier aus sogar den schneebedeckten Gletschervulkan Snæfellsjökull auf der gegenüberliegenden Seite der Breiðafjörður-Bucht erkennen.

Geologisch ist der bunte Sand eine direkte Folge der Nähe zu den Vogelfelsen von Látrabjarg: Über Jahrtausende hat die Brandung Muschelbänke vor der Küste zermahlen und die hellen Schalenreste an Land gespült, wo sie sich mit dunklerem Vulkansand vermengt haben. Ähnliche helle Muschelsandstrände sind in Island selten – die meisten Strände des Landes bestehen aus schwarzem, rein vulkanischem Lavasand ohne diesen Muschelanteil.

Der farbige Sandstrand Rauðasandur in den Westfjorden Islands, Blick von der Zufahrtsstraße auf dem Weg nach Látrabjarg

Anfahrt: Straße 614 ab der Route nach Látrabjarg

Rauðasandur liegt an der Straße 614 (Rauðasandsvegur), die von der Straße 612 zwischen Patreksfjörður und Látrabjarg abzweigt. Nach der Abzweigung folgen rund 10 Kilometer unbefestigte Schotterpiste, die in engen Kurven und stellenweise steil eine Hügelkette hinunter zum Strand führt – ohne durchgehende Leitplanken. Ein Allradfahrzeug ist hier klar von Vorteil, besonders außerhalb der Sommermonate; bei trockenem Sommerwetter kommt ein umsichtig gefahrener 2WD-Mietwagen ebenfalls durch. Tankt vorher in Patreksfjörður auf, in der Umgebung von Rauðasandur gibt es keine Tankstelle. Ab Reykjavík sind es insgesamt rund 400 Kilometer bzw. 5-6 Stunden reine Fahrzeit; wer sich die lange Strecke über Land sparen will, kann alternativ mit der Fähre Baldur von Stykkishólmur nach Brjánslækur übersetzen und spart so einen Teil der Anfahrt.

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Gezeiten beachten: Wann der Strand am schönsten ist

Der Rauðasandur zeigt sein volles Farbspiel nur bei Ebbe, wenn der breite Sandstreifen komplett freiliegt. Bei Flut und Wasserhöchststand ist die gesamte Strandfläche überflutet – ein Gezeitenkalender (z.B. auf vedur.is oder einer Gezeiten-App) gehört deshalb zur Planung dazu, nicht nur eine gute Wettervorhersage. Schwimmen ist wegen der kalten Wassertemperatur und der unberechenbaren Strömung nicht empfehlenswert; festes, wasserdichtes Schuhwerk ist auf dem oft feuchten Sand die bessere Wahl als offene Schuhe.

Saurbæjarkirkja und Campingplatz Melanes

Am Fuß der Zufahrtsstraße, direkt am Ortseingang zum Strand, steht die kleine Holzkirche Saurbæjarkirkja – ein stiller Ausgangspunkt für einen Spaziergang zum Wasser. Wer länger bleiben möchte, findet am Weiler Melanes, mitten in der Rauðasandur-Bucht, einen einfachen Campingplatz mit direktem Zugang zum Strand. Ein kleines Café öffnet saisonal ab dem isländischen Nationalfeiertag (17. Juni) bis in den Sommer hinein – außerhalb dieser Zeit gibt es vor Ort keine Verpflegung.

Sjöundá: Islands bekanntester Kriminalfall

Am östlichen Ende der Bucht liegt der Bauernhof Sjöundá, Schauplatz eines der bekanntesten Kriminalfälle der isländischen Geschichte: 1802 planten zwei Liebende hier den Mord an ihren jeweiligen Ehepartnern, 1805 wurden beide dafür hingerichtet. Die Geschichte inspirierte unter anderem den Roman „Svartfugl“ von Gunnar Gunnarsson und macht den sonst stillen Küstenabschnitt zu einem Ort mit doppeltem Reiz – Naturschönheit und düsterer Historie.

Robben und Vogelkolonien

Die Bucht gilt als ruhiger Rückzugsort für Seevögel und Robben, die sich bei niedrigem Wasserstand auf den Sandbänken sonnen. Wer ein Fernglas dabei hat, hat hier deutlich bessere Chancen auf ungestörte Robbenbeobachtung als an den bekannteren, stärker frequentierten Stellen Islands – allerdings ohne die Garantie einer organisierten Tour, es ist reines Glück und Geduld.

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Praktische Tipps für den Besuch

Der Eintritt zum Strand ist kostenlos, ein fester Parkplatz liegt bei der Saurbæjarkirkja am unteren Ende der Zufahrtsstraße. Rechnet für die Anfahrt von Patreksfjörður aus mit rund 45-60 Minuten, ein Großteil davon auf Schotterpiste. Weder am Strand noch auf der Zufahrt gibt es Mobilfunkempfang in verlässlicher Qualität – plant die Route also vorher offline oder mit heruntergeladenen Karten. Die Straße 614 ist wie die meisten Zufahrten der Region nur zwischen Mai und Oktober zuverlässig befahrbar.

Für Fotos lohnt sich Nachmittags- und Abendlicht am meisten: Die tiefstehende Sonne verstärkt die Farbkontraste zwischen Sand, Wasser und den umliegenden grünen Hügeln deutlich stärker als das flache Mittagslicht. Wer zusätzlich noch weiter will, kann vom Strand aus zu Fuß Richtung Melanes weiterlaufen – festes Schuhwerk vorausgesetzt, da der Untergrund zwischen den einzelnen Buchtabschnitten wechselt.

Wo übernachten in der Nähe?

Direkt am Strand gibt es außer dem Campingplatz Melanes keine feste Unterkunft. Die nächstgelegenen Hotels und Gästehäuser findet Ihr im rund 45 Autominuten entfernten Patreksfjörður, buchbar über Booking.com – in der Hochsaison lohnt sich frühzeitiges Reservieren, da das Angebot in der Region begrenzt ist.

Was liegt in der Nähe?

  • Látrabjarg: Europas größter Vogelfelsen mit Papageientauchern, nur wenige Kilometer weiter über die Straße 612.
  • Ísafjörður: größte Stadt der Westfjorde mit Altstadt und Wanderwegen, gute Basis für die gesamte Region.
  • Westfjorde-Guide: Überblick über weitere Ziele und Routenplanung für die gesamte Region.

Häufige Fragen zum Rauðasandur

Warum ist der Sand am Rauðasandur bunt?

Die Farbe stammt von über Jahrtausende zermahlenen Muschelschalen, die sich mit vulkanischem Sand vermischt haben – je nach Licht und Feuchtigkeit wirkt der Strand weiß, gelb, orange oder rötlich.

Braucht man einen Allradwagen für die Anfahrt zum Rauðasandur?

Zwingend nötig ist er bei trockenem Sommerwetter nicht, aber klar von Vorteil – die letzten rund 10 Kilometer der Straße 614 sind eine kurvige, teils steile Schotterpiste ohne durchgehende Leitplanken.

Kann man am Rauðasandur schwimmen?

Davon wird abgeraten. Das Wasser ist kalt und die Strömung unberechenbar, ein Spaziergang bei Ebbe ist die deutlich sicherere Art, den Strand zu erleben.

Wann ist der Rauðasandur am schönsten?

Bei Ebbe und Sonnenschein, wenn der Strand seine volle Breite und Farbenpracht zeigt. Bei Flut ist die gesamte Fläche überflutet – ein Blick in den Gezeitenkalender gehört zur Planung dazu.

Kostet der Besuch am Rauðasandur Eintritt?

Nein, der Strand ist kostenlos zugänglich. Ein Parkplatz liegt bei der Saurbæjarkirkja am Ende der Zufahrtsstraße.

Fazit

Rauðasandur ist kein Ort für einen kurzen Zwischenstopp auf der Ringstraße, sondern ein bewusster Umweg – dafür einer, der mit einem der ungewöhnlichsten Strände Islands belohnt wird. Wer ohnehin nach Látrabjarg unterwegs ist, sollte die zusätzliche Stunde für die Schotterpiste hinunter zur Bucht fest einplanen, am besten mit einem Blick in den Gezeitenkalender vorher.

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