Die Westfjorde im äußersten Nordwesten Islands sind die am wenigsten besuchte Region des Landes – und für uns die schönste. Wir sind im Juli 2021 auf unserer großen Islandreise von Süden nach Norden durch die Fjorde gefahren und haben bis heute kein Stück Island im Gedächtnis, das so ursprünglich wirkt. Hier bekommt Ihr unsere komplette Übersicht: alle Highlights, wie viel Zeit Ihr einplanen solltet und was Ihr für die Anreise wissen müsst.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Warum die Westfjorde besuchen?
Die Westfjorde liegen abseits der Ringstraße und werden deshalb von den meisten Island-Reisenden ausgelassen – wer nur eine oder zwei Wochen Zeit hat, schafft es aus reinen Zeitgründen kaum hierher. Genau das macht die Region so besonders: kaum Verkehr, kaum andere Reisende, dafür schier endlose Fjordstraßen, steile Vogelfelsen und eine Ruhe, die Ihr sonst auf Island kaum noch findet. Wer Island so erleben will, wie es vor dem großen Touristen-Boom war, ist hier richtig.
Die Fjorde selbst
Das eigentliche Highlight der Westfjorde sind die Fjorde selbst. Es gibt hier kaum Straßen – im Grunde führt eine einzige Straße in endlosen Schlangenlinien von Fjord zu Fjord, immer mit dem Wasser auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite. Jeden Fjord durchquert Ihr dabei zweimal, einmal auf jeder Seite. Nur etwa alle 30 Minuten kommt Ihr durch einen kleinen Ort, der oft nur aus einer Handvoll Häusern besteht – ansonsten gibt es vor allem Natur, Schafe und Meer zu sehen.

Highlights der Westfjorde
Wir sind unsere Route von Süden nach Norden gefahren – so sind auch die folgenden Highlights sortiert.
Rauðisandur Strand
Der wohl einsamste Strand Islands liegt abgeschieden im Südwesten der Westfjorde, am Ende einer rund 10 km langen Schotterstraße mit engen Spitzkehren. Der Sand schimmert je nach Licht rötlich bis goldfarben, daher der Name „Roter Sand“. Die Straße endet als Sackgasse direkt am Strand, Ihr müsst also denselben Weg zurückfahren. Ab Reykjavík sind es rund 390 km, größtenteils auf asphaltierter Straße, die letzten Kilometer über Schotter – ein normaler Mietwagen kommt im Sommer bei trockenen Bedingungen durch, ein 4×4 ist bei Nässe und Wind aber klar im Vorteil.
Schiffswrack Garðar BA 64
Gleich am Anfang der Straße 612 liegt das 1981 ausgemusterte Schiff Garðar BA 64 – das älteste erhaltene Stahlschiff Islands. Es wurde hierher geschleppt und rostet seitdem als Fotomotiv vor sich hin. Kostenloser Parkplatz, kleine Infotafel, betreten dürft Ihr das Wrack nicht. Ein kurzer Fotostopp reicht, da es direkt an der Straße liegt.
Látrabjarg & die Papageientaucher
Der westlichste Punkt Islands – und damit auch Europas – ist gleichzeitig einer der größten Vogelfelsen des Kontinents. Auf den bis zu 440 Meter hohen Klippen brüten unter anderem tausende Papageientaucher, am ehesten zu sehen zwischen Mai und Ende August. Alle Details zu Anreise, Wanderung entlang der Klippen und den besten Beobachtungsspots findet Ihr in unserem eigenen Látrabjarg-Guide.
Hellulaug Hot Pot
Unser persönlicher Lieblings-Hot-Pot auf ganz Island: ein kleiner, kostenloser Natur-Pool direkt am Meer, versteckt neben der Straße und trotzdem kaum einsehbar. Bei unserem Besuch hatten wir ihn völlig für uns allein. Die ausführliche Anfahrtsbeschreibung inklusive GPS-Koordinaten findet Ihr in unserem Hellulaug-Artikel.
Reykjafjarðarlaug & weitere Hot Pots
Reykjafjarðarlaug besteht aus einem fast schwimmbadgroßen künstlichen Becken plus einem kleinen Naturpool rund 100 Meter entfernt – beide kostenlos, mit Parkplatz. Weiter nordöstlich liegen die Dragsness Hot Pots direkt am Ort Drangsnes: mehrere blaue Kunststoffwannen mit leicht unterschiedlicher Temperatur, ebenfalls kostenlos, mit Meerblick. Ganz im einsamen Norden wartet das Schwimmbad Krossness – wer die abenteuerliche Anfahrt geschafft hat, zahlt rund 700 ISK und hat Meerblick, Toiletten und eine Dusche für sich.
Dynjandi Wasserfall
Der mit Abstand beeindruckendste Wasserfall der Westfjorde: eine fächerförmige Kaskade aus sieben Einzelfällen, oben nur 30 Meter, unten 60 Meter breit. Alles Wissenswerte zu Anfahrt, Wanderung und den besten Fotospots steht in unserem Dynjandi-Guide.
Ísafjörður
Die charmante Hauptstadt der Westfjorde, eingebettet zwischen steilen Bergen, ist der beste Stützpunkt für die Region – die größte Auswahl an Unterkünften und Restaurants sowie die besten Chancen auf eine ruhige, wenig überlaufene Walbeobachtung. Alles zu Altstadt, Wanderungen und Ausflügen rund um die Stadt findet Ihr in unserem Ísafjörður-Guide.
Valagil Wasserfall
Ein kaum bekannter Wanderweg direkt hinter dem Fischerdorf Súðavík: durch ein breites, moosgrünes Tal mit plätscherndem Bach, den Wasserfall die ganze Zeit im Blick. In weniger als 30 Minuten seid Ihr am Ziel und trefft dabei meist niemanden.
Drangajökull Gletscher
Islands kleinster und wohl einsamster Gletscher liegt abgelegen im Norden der Westfjorde. Bei guten Bedingungen könnt Ihr bis zur Gletscherzunge wandern – rechnet mit rund 5 Stunden für Hin- und Rückweg, und mit mehreren Gletscherbach-Furten, die je nach Schmelzwasser unpassierbar sein können.
Hornstrandir Naturreservat
Das unberührteste Wandergebiet Islands, nur zu Fuß oder per Boot erreichbar – keine Straßen, keine dauerhaften Bewohner. Für mehrtägige Trekkingtouren mit Zelt ein Muss, für den klassischen Roadtrip mit Mietwagen aber kein Tagesausflug.
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Wale in den Westfjorden
Die Westfjorde sind auch für Wale berühmt, allen voran Buckelwale, die in den Sommermonaten in den nährstoffreichen Gewässern jagen. Haltet beim Fahren immer ein Auge auf ruhige Wasserflächen – Wasserfontänen oder tief fliegende Vogelschwärme sind oft ein Hinweis. Die besten organisierten Chancen habt Ihr bei einer Tour ab Ísafjörður, wo deutlich weniger Boote unterwegs sind als bei den großen Touren ab Reykjavík oder Húsavík.
Route & Zeitplanung
Plant für die Westfjorde mindestens 3 volle Tage ein, wenn Ihr die wichtigsten Highlights entspannt sehen wollt – mit reiner Durchfahrt ohne Stopps kommt Ihr zwar schneller durch, verpasst aber den eigentlichen Reiz der Region. Wer die Zeit hat, sollte 4 bis 5 Tage einplanen. Die Hauptstraße 60 (Vestfjarðavegur) wird seit Jahren schrittweise asphaltiert, die komplette Asphaltierung ist bis 2027 geplant – bis dahin wechseln sich befestigte und unbefestigte Abschnitte ab. Ein 4WD-Fahrzeug wird für die Region empfohlen, auch wenn viele Hauptstrecken inzwischen mit einem normalen Mietwagen fahrbar sind.
Praktische Infos zu den Westfjorden
- Beste Reisezeit: Juni bis September, außerhalb dieser Zeit sind viele Straßen unzuverlässig oder gesperrt
- Tankstellen: selten, besonders im Norden – auftanken, sobald Ihr eine seht
- Handyempfang: meist gut mit LTE, in einzelnen abgelegenen Fjorden aber lückenhaft
- Straßenstatus: vor der Fahrt immer auf safetravel.is oder road.is prüfen
- Fahrzeug: ein normaler Mietwagen reicht für die Hauptrouten, für Nebenstraßen und Furten ist ein 4WD von Vorteil
Wo übernachten in den Westfjorden?
Die Region hat insgesamt wenige Unterkünfte – bucht in der Hochsaison (Juni bis August) frühzeitig. Zwei gute Stützpunkte:
- Ísafjörður – die größte Stadt der Region mit der besten Auswahl an Hotels, Gästehäusern und Restaurants, guter Ausgangspunkt für den Norden.
- Patreksfjörður – kleinerer Ort im Süden, praktische Basis für Látrabjarg, Rauðisandur und die Anreise über die Brjánslækur-Fähre.
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Häufige Fragen zu den Westfjorden
Wie viele Tage sollte man für die Westfjorde einplanen?
Mindestens 3 volle Tage für die wichtigsten Highlights, bei mehr Zeit sind 4 bis 5 Tage entspannter. Wer nur durchfährt, verpasst den eigentlichen Reiz der Region.
Braucht man einen 4×4 für die Westfjorde?
Zwingend nötig ist es für die Hauptstraßen nicht mehr, empfehlenswert aber schon – einige Abschnitte sind noch nicht asphaltiert, und für Nebenstraßen wie nach Rauðisandur ist ein 4WD von Vorteil, besonders bei schlechtem Wetter.
Was ist das Top-Highlight der Westfjorde?
Für uns ganz klar Látrabjarg mit seinen Papageientauchern – aber auch der Dynjandi Wasserfall und die Ruhe der Fjordstraßen selbst gehören zu unseren persönlichen Favoriten.
Wann ist die beste Reisezeit für die Westfjorde?
Juni bis September, wenn alle Straßen zuverlässig offen sind. Puffins seht Ihr am ehesten zwischen Mai und Ende August.
Lohnen sich die Westfjorde, wenn ich wenig Zeit habe?
Wenn Ihr nur eine Woche für ganz Island habt, lasst die Westfjorde eher aus und konzentriert Euch auf den Süden. Ab etwa 3 Wochen Gesamtreisezeit lassen sie sich gut einbauen – für uns war es die schönste Region der ganzen Reise.
Fazit
Die Westfjorde sind kein Ort für einen kurzen Abstecher – wer hierherkommt, sollte sich Zeit nehmen. Genau diese Abgeschiedenheit ist es aber, die die Region zu unserem persönlichen Islandhighlight macht: kaum Verkehr, ursprüngliche Natur und das Gefühl, Island so zu erleben, wie es vor dem großen Touristenansturm überall war.






