Tiefblaues, fast durchsichtiges Eis, geformt über Jahrtausende und frei von Luftblasen – die Kristallhöhle im Vatnajökull gehört zu den meistfotografierten Naturwundern Islands. Anders als die schwarzen Eishöhlen am Katla oder in Skaftafell zeigt sie das klassische, leuchtend blaue Gletschereis, wie man es aus den bekanntesten Island-Fotos kennt.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Was ist die Vatnajökull-Kristallhöhle?
Die Kristallhöhle liegt im Breiðamerkurjökull, einem Gletscherarm des Vatnajökull – mit rund 8.100 km² dem größten Gletscher Europas und knapp 8 % der Landesfläche Islands. Durch die enorme Kompression des Eises über Jahrtausende sind kaum noch Luftblasen enthalten, wodurch das Eis nahezu durchsichtig wird und in einem intensiven, sich mit dem Lichteinfall verändernden Blau erscheint. Wie fast alle natürlichen Eishöhlen bildet sie sich saisonal neu und ist deshalb von Jahr zu Jahr unterschiedlich geformt – Guides suchen zu Beginn jeder Wintersaison neu nach stabilen, zugänglichen Höhlen im Gletschervorfeld.
Der Breiðamerkurjökull liegt im Vatnajökull-Nationalpark, mit rund 14.700 km² dem größten Nationalpark Europas. Seit 2019 gehört er als Ganzes zum UNESCO-Weltnaturerbe – gewürdigt wird dabei das Zusammenspiel von Gletschereis und darunterliegendem Vulkanismus, wie es sich auch am benachbarten Katla-Gletscher zeigt.
Anfahrt & Ausgangspunkt
Ausgangspunkt der meisten Touren ist der Parkplatz an der Jökulsárlón-Gletscherlagune, rund 380 km bzw. 5 Stunden Fahrzeit von Reykjavík entfernt. Von dort geht es mit einem Super-Jeep über den Gletschervorfeld-Bereich zu den Eingängen der Höhle – ein unabhängiger Zugang ohne Guide existiert nicht.
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Preise & Dauer
Touren zur Kristallhöhle dauern meist 3 Stunden und kosten umgerechnet rund 170-190 € pro Person. Wer zusätzlich eine kurze Gletscherwanderung dazubuchen möchte, findet auch Kombi-Touren mit rund 4 Stunden Gesamtdauer. Aufgrund der hohen Nachfrage in der Saison lohnt sich eine Buchung mehrere Wochen im Voraus.
Bekannte, seit Jahren etablierte Anbieter in diesem Gebiet sind unter anderem Arctic Adventures, Glacier Adventure, Ice Explorers und Glacier Guides – alle bieten die Tour direkt ab dem Parkplatz der Jökulsárlón-Gletscherlagune an, meist mit Abholung ab Reykjavík als Zusatzoption. Ein Vergleich der aktuellen Abfahrtszeiten und Bewertungen lohnt sich, da sich Kapazitäten und Preise je nach Saison unterscheiden.
Sicherheit & Ausrüstung
- Ausrüstung: Steigeisen, Helm und Stirnlampe werden von den Guides gestellt.
- Kleidung: Warme, wasserfeste, mehrlagige Kleidung sowie feste, wasserdichte Schuhe.
- Fitness: Die Tour gilt als leicht zugänglich, Vorerfahrung mit Gletschern ist nicht nötig.
- Nur geführt: Die Stabilität der Höhle ändert sich laufend – ein Besuch ohne zertifizierten Guide wird von allen Anbietern und Behörden ausgeschlossen.
- Laufende Kontrolle: Guides prüfen die Höhle vor jeder Tour auf Risse und Instabilitäten und schließen Bereiche kurzfristig, wenn sich die Bedingungen ändern – an warmen oder regnerischen Tagen kann eine Tour deshalb auch spontan verschoben oder abgesagt werden.
Beste Reisezeit
Die Kristallhöhle ist in der Regel von November bis März zugänglich, wenn das Eis am stabilsten ist. Außerhalb dieser Monate schmilzt die Struktur zu stark, um einen sicheren Besuch zu erlauben – anders als beim künstlich angelegten Eistunnel im Langjökull, der ganzjährig geöffnet hat.
Kristallhöhle vs. Eishöhle am Katla: was ist der Unterschied?
Wer schon eine Eishöhlen-Tour am Katla (Mýrdalsjökull) geplant hat, fragt sich oft, ob sich beide Touren lohnen. Der Hauptunterschied liegt in der Farbe: Am Katla ist das Eis wegen der Vulkanasche im Gletscher oft schwarz-blau gestreift, in der Vatnajökull-Kristallhöhle dagegen überwiegend klar und intensiv blau, da hier kaum Asche eingelagert ist. Die Katla-Höhlen sind zudem ganzjährig zugänglich, während die Kristallhöhle nur von November bis März sicher begehbar ist. Wer nur eine Tour einplanen kann und Wert auf das klassische „Blue Ice“ legt, ist am Vatnajökull richtig; wer flexibel bei der Reisezeit ist, kann sich am Katla orientieren.
Fotografie-Tipps
Für die charakteristischen Blautöne empfiehlt sich eine Kamera mit guter Low-Light-Leistung und, wenn möglich, ein Stativ für längere Belichtungszeiten. Auf Blitzlicht solltet Ihr verzichten – das natürliche Licht, das durch das Eis dringt, erzeugt den eigentlichen Effekt. Ein Weitwinkelobjektiv hilft, die Größe der Gänge einzufangen; ein Ersatzakku lohnt sich, da Kälte den Akku spürbar schneller entlädt als gewohnt.
Wo übernachten?
Da die Touren früh morgens starten und die Anfahrt von Reykjavík rund 5 Stunden dauert, lohnt sich eine Übernachtung in der Region – z.B. in Höfn (ca. 1 Std. vom Treffpunkt) oder direkt näher an der Lagune. Unterkünfte lassen sich bequem über Booking.com vergleichen und buchen; in der Winter-Hauptsaison (Nov-März, wenn auch die Kristallhöhle offen hat) früh reservieren, da die Auswahl an der Südostküste begrenzt ist.
Was liegt in der Nähe?
- Jökulsárlón Gletscherlagune: Ausgangspunkt der Touren, mit den bekannten treibenden Eisbergen.
- Diamond Beach: der schwarze Strand mit angeschwemmten Eisbrocken, direkt gegenüber der Lagune.
- Eishöhlen Island im Vergleich: Übersicht, welche Eishöhle am besten zu Eurer Reise passt.
- Svínafellsjökull: ein weiterer Vatnajökull-Ausläufer und bekannter Filmdrehort, seit 2018 wegen Bergsturz-Risiko nur noch vom Aussichtspunkt aus zugänglich.
Häufige Fragen zur Vatnajökull-Kristallhöhle
Warum ist das Eis in der Kristallhöhle so blau?
Durch die starke Kompression über Jahrtausende enthält das Eis kaum noch Luftblasen. Rote und gelbe Lichtwellenlängen werden dabei absorbiert, Blau und Grün stärker reflektiert – dadurch wirkt das Eis intensiv blau bis durchscheinend.
Kann man die Kristallhöhle im Sommer besuchen?
Nein, die natürliche Höhle ist meist nur von November bis März sicher zugänglich. Für einen ganzjährigen Eishöhlen-Besuch eignet sich der künstliche Tunnel im Langjökull.
Wie weit ist die Kristallhöhle von Reykjavík entfernt?
Der Ausgangspunkt an der Jökulsárlón-Gletscherlagune liegt rund 380 km bzw. etwa 5 Stunden Fahrzeit von Reykjavík entfernt.
Braucht man Erfahrung für eine Eishöhlentour?
Nein, die Touren gelten als leicht und sind für die meisten Fitnesslevel geeignet. Die komplette Ausrüstung wird gestellt.
Ist ein Besuch der Kristallhöhle gefährlich?
Bei Touren mit zertifizierten Guides ist das Risiko gering – die Anbieter kontrollieren die Höhlen laufend und sagen Touren bei ungünstigen Bedingungen (Tauwetter, Regen) ab. Ein eigenständiger Besuch ohne Guide wird dagegen von keinem Anbieter und keiner Behörde empfohlen, da sich die Stabilität der Gänge von Tag zu Tag ändern kann.
Fazit
Die Kristallhöhle im Vatnajökull bietet das klassische, tiefblaue Eishöhlen-Erlebnis Islands und lässt sich gut mit einem Besuch der Jökulsárlón-Gletscherlagune und dem Diamond Beach zu einem vollen Tag an der Südostküste kombinieren.