Kaum ein Foto aus dem isländischen Hochland ist in den letzten Jahren so oft geteilt worden wie der Blick über den Sigöldugljúfur: ein schmaler, moosgrün überzogener Canyon, an dessen Wänden ein Dutzend kleiner Wasserfälle gleichzeitig herabstürzen. Nicht ohne Grund nennen viele Isländer ihn das „Tal der Tränen“. Wir zeigen Euch, wo genau der Canyon liegt, wie Ihr mit dem richtigen Fahrzeug hinkommt und worauf Ihr vor Ort achten solltet.
Zuletzt aktualisiert: August 2026
Was ist der Sigöldugljúfur?
Der Sigöldugljúfur ist ein schmaler Canyon im südlichen Hochland Islands, unweit des Stausees und Kraftwerks Sigalda und nur rund 24 Kilometer bzw. 45 Autominuten von Landmannalaugar entfernt. Berühmt ist er für die zahlreichen schmalen Wasserfälle – die sogenannten Lekafossar –, die parallel über die moosbewachsene Canyonwand herabfallen und dem Ort seinen inoffiziellen Beinamen „Tal der Tränen“ eingebracht haben. Anders als bei den meisten bekannten Wasserfällen Islands gibt es hier keinen einzelnen Hauptfall, sondern ein ganzes Ensemble kleinerer Kaskaden nebeneinander.
Anfahrt: F-Road und 4×4 sind Pflicht
Der Sigöldugljúfur liegt rund 170 Kilometer bzw. etwa 2,5 Stunden Fahrzeit von Reykjavík entfernt. Die Anfahrt führt über die Ringstraße und weiter über Hochlandpisten in Richtung Sigalda-Kraftwerk – die letzten Kilometer verlaufen auf unbefestigter F-Road, die laut mehreren unabhängigen Quellen ausschließlich mit einem zugelassenen Allradfahrzeug befahren werden darf. Ein normaler Kleinwagen kommt hier nicht durch, und die Mietwagenversicherung deckt Schäden auf F-Roads mit einem Zweiradantrieb-Fahrzeug in aller Regel nicht ab. Wie bei allen Hochlandpisten gilt: Status vorher auf road.is prüfen, da die Strecke wie die meisten F-Roads nur in den Sommermonaten geöffnet ist. Mehr zu Schwierigkeitsgraden und Fahrzeugwahl im Hochland findet Ihr in unserem Hochlandpisten-Guide.
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Ein kleiner Parkplatz mit Platz für etwa 10 bis 15 Fahrzeuge liegt direkt am Ausgangspunkt der kurzen Wanderung. Weil der Sigöldugljúfur nur 24 Kilometer von Landmannalaugar entfernt liegt, lässt er sich hervorragend mit einem Besuch dort zu einem gemeinsamen Hochland-Tagesausflug kombinieren, statt eine eigene Anfahrt einzuplanen.
Die Wanderung zum Aussichtspunkt
Vom Parkplatz führt ein einfacher, rund 1 Kilometer langer Weg über eine graue, staubige Piste zum Hauptaussichtspunkt oberhalb des Canyons. Rechnet für Hin- und Rückweg zusammen mit der Zeit am Aussichtspunkt selbst mit insgesamt etwa einer Stunde – 15 bis 20 Minuten reiner Gehzeit pro Richtung, plus 20 bis 30 Minuten zum Fotografieren und Genießen der Aussicht. Der Weg selbst ist technisch unschwierig und auch für ungeübte Wanderer gut machbar, festes Schuhwerk mit gutem Profil ist wegen des losen Untergrunds trotzdem empfehlenswert.
Sicherheit: Keine Geländer, steile Abbrüche
Der Aussichtspunkt liegt direkt an der Kante des Canyons – feste Geländer oder Absperrungen gibt es an den meisten Stellen nicht. Haltet ausreichend Abstand zur Kante, besonders bei Nässe oder Wind, und lasst Kinder hier nicht unbeaufsichtigt herumlaufen. Für die besten Fotos lohnt sich der späte Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne die grünen Moosflächen an der Canyonwand besonders intensiv leuchten lässt.
Beste Reisezeit
Da der Zugang über eine Hochland-F-Road führt, ist der Sigöldugljúfur praktisch nur zwischen Ende Juni und Anfang September erreichbar – also im selben Zeitfenster wie Landmannalaugar und die meisten anderen Hochlandziele. Außerhalb dieser Monate ist die Zufahrt in aller Regel gesperrt oder nicht mit einem normalen Mietwagen befahrbar. Aktuellen Status immer direkt vor der Fahrt auf road.is prüfen, da sich die Öffnungszeiten je nach Schneelage von Jahr zu Jahr verschieben.
Kosten und Öffnungszeiten
Der Besuch des Sigöldugljúfur ist kostenlos, ein fester Eintritt oder eine Parkgebühr sind nicht bekannt. Der Canyon selbst ist durchgehend frei zugänglich, in der Praxis aber ohnehin nur während der Öffnungsfenster der Zufahrtsstraße erreichbar.
Gut zu kombinieren mit
Wegen der kurzen Distanz von nur 24 Kilometern lässt sich der Sigöldugljúfur ideal mit einem Tagesausflug nach Landmannalaugar verbinden – ein Umweg von nur wenigen Fahrminuten für einen der meistfotografierten Orte im gesamten Hochland. Einen Überblick über alle Hochlandziele und die dazugehörigen F-Roads findet Ihr in unserem Island Hochland Guide. Wer noch unsicher bei der Furt-Technik ist, sollte vorher unseren Furten-Guide lesen.
Übernachten in der Nähe
Da die Hochlandregion selbst kaum Unterkünfte bietet, übernachten die meisten Besucher am Vorabend oder danach in Hella, Hvolsvöllur oder direkt am Campingplatz in Landmannalaugar. Unterkünfte am Rand des Hochlands lassen sich bequem über Booking.com vergleichen.
Was solltet Ihr mitbringen?
Auch wenn die Wanderung selbst kurz ist, solltet Ihr wie bei jedem Hochlandausflug vorbereitet sein: festes Schuhwerk mit gutem Profil für den losen Untergrund, eine wetterfeste Jacke gegen den oft kräftigen Wind an der offenen Hochlandfläche, und ausreichend Zeitpuffer für die Rückfahrt, falls sich der Straßenzustand unterwegs ändert. Handyempfang ist in der Region lückenhaft bis nicht vorhanden – informiert vorher jemanden über Eure Route, etwa über safetravel.is.
Häufige Fragen zum Sigöldugljúfur
Braucht man einen 4×4 für den Sigöldugljúfur?
Ja. Die letzten Kilometer der Zufahrt verlaufen auf einer F-Road, die ausschließlich mit einem zugelassenen Allradfahrzeug befahren werden darf.
Wie lange dauert die Wanderung zum Sigöldugljúfur?
Rund eine Stunde insgesamt – etwa 15 bis 20 Minuten Gehzeit pro Richtung auf dem rund 1 Kilometer langen Weg, plus Zeit am Aussichtspunkt.
Kostet der Besuch des Sigöldugljúfur Eintritt?
Nein, der Zugang ist kostenlos. Es gibt keine bekannte Eintritts- oder Parkgebühr.
Warum heißt der Sigöldugljúfur „Tal der Tränen“?
Wegen der zahlreichen schmalen Wasserfälle (Lekafossar), die gleichzeitig über die moosbewachsene Canyonwand herabfallen – von Weitem erinnert das Bild an eine Wand aus herabrinnenden Tränen.
Wann ist der Sigöldugljúfur erreichbar?
In der Regel von Ende Juni bis Anfang September, abhängig von der Schneelage auf der Zufahrts-F-Road. Aktuellen Status immer auf road.is prüfen.
Fazit
Der Sigöldugljúfur gehört zu den fotogensten, aber noch vergleichsweise unbekannten Zielen im isländischen Hochland – ein moosgrüner Canyon mit einem ganzen Ensemble kleiner Wasserfälle, der sich dank der Nähe zu Landmannalaugar ohne großen Umweg in eine ohnehin geplante Hochlandtour einbauen lässt. Einzige Voraussetzung: das richtige Fahrzeug und ein Blick auf den aktuellen Straßenstatus vor der Abfahrt.