Der Svínafellsjökull ist einer der eindrucksvollsten Gletscherausläufer des Vatnajökull – und einer der bekanntesten Drehorte Islands. Was viele Reisende nicht wissen: Seit 2018 rät die isländische Zivilschutzbehörde ausdrücklich davon ab, den Gletscher selbst zu betreten. Was das für Euren Besuch bedeutet und wie Ihr den Svínafellsjökull trotzdem sicher erlebt, erfahrt Ihr hier.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Wichtiger Sicherheitshinweis: Bergsturz-Gefahr am Svínafellsjökull
Im Herbst 2014 entdeckten Geolog:innen einen Riss im Bergrücken Svínafellsheiði, direkt oberhalb der Gletscherzunge. Der Riss verläuft am oberen Rand eines steilen, rund 400 Meter hohen Hangs und ist die sichtbare Oberflächenspur einer tieferliegenden Verwerfung. Messungen der isländischen Wetterbehörde (Veðurstofa Íslands) zeigten 2016/2017 eine Bewegung von 0,4 bis 1,3 cm pro Jahr; spätere Fernerkundungsdaten wiesen für den Zeitraum 2016/2017 sogar 2 bis 4 cm pro Jahr aus. Betroffen ist eine Fläche von 0,5 bis 1 km² – Expert:innen schätzen, dass insgesamt etwa 60 Millionen Kubikmeter Fels in Bewegung sind. Ob diese Masse als ein einziger, gewaltiger Bergsturz abgeht oder in mehreren kleineren Ereignissen, ist offen.
Seit Juni 2018 gilt deshalb eine offizielle Warnung der isländischen Zivilschutzbehörde: Reisende sollen vom Betreten des Svínafellsjökull absehen, geführte Gletschertouren direkt auf diesem Gletscher werden ausdrücklich nicht empfohlen. Empfohlen wird stattdessen, sich nur kurz an den Aussichtspunkten bei der Gletscherzunge aufzuhalten. Bergstürze auf Gletscher können in Island beachtliche Ausmaße annehmen – vergleichbare Ereignisse gab es 1967 am Steinsholtsjökull und 2007 am Morsárjökull, nur wenige Kilometer entfernt im selben Nationalpark.
Wir haben diese Warnung für 2026 gegengeprüft: Aktuelle Recherchen bestätigen, dass Reiseveranstalter aus diesem Grund keine Gletscherwanderungen mehr direkt auf dem Svínafellsjökull anbieten. Wer eine geführte Gletschertour oder Eishöhlen-Tour in der Region sucht, findet sie stattdessen am benachbarten Falljökull bei Skaftafell (siehe unten) – ein Grund, warum Ihr online kaum noch Touren findet, die explizit „auf dem Svínafellsjökull“ stattfinden.
Svínafellsjökull als Filmkulisse
Die dramatische Eiszunge, eingerahmt von schwarzem Vulkangestein, hat es auch nach Hollywood geschafft. Gedreht wurde hier unter anderem für Batman Begins (2005, als Kulisse für Bhutan/Ra’s al Ghuls Bergfestung), Interstellar (2014, als Eisplanet-Szenen) und mehrere Folgen von Game of Thrones (als Gebiet jenseits der Mauer). Wer die Kulisse wiedererkennen möchte: Der charakteristische Blick auf die zerklüftete, dunkel geäderte Gletscherzunge vom Aussichtspunkt aus ist genau der, den auch die Filmteams genutzt haben.
Geologie: Ein Ausläufer des Vatnajökull
Geologisch ist der Svínafellsjökull ein Ausläufer des Vatnajökull, mit rund 8.100 km² dem größten Gletscher Europas. Unter dem Eis liegen mehrere aktive Vulkane, deren Ausbrüche das Eis immer wieder von innen anschmelzen und zu den charakteristischen Rissen und Spalten führen, die auch die zerklüftete Oberfläche des Svínafellsjökull prägen. Genau dieses Wechselspiel aus Eis, Vulkanismus und den angrenzenden, instabilen Berghängen macht die Region einerseits fotogen, andererseits auch geologisch komplex genug, dass Warnungen wie am Svínafellsjökull ernst genommen werden sollten.
Anfahrt & Zugänglichkeit
Die Abzweigung liegt rund 5 Fahrminuten östlich des Besucherzentrums Skaftafell im Vatnajökull-Nationalpark, ausgeschildert von der Ringstraße. Eine kurze Schotterstraße führt zu einem Parkplatz; von dort sind es etwa 15 Minuten Fußweg bis zum Aussichtspunkt an der Gletscherzunge. Von Reykjavík aus sind es rund 330 km bzw. etwa 4 Stunden Fahrzeit auf der Ringstraße.
Wichtig: Der Weg endet am Aussichtspunkt – ein Betreten des Gletschers selbst oder der Moräne direkt darunter ist wegen der Bergsturz-Gefahr nicht vorgesehen und wird von der Zivilschutzbehörde ausdrücklich nicht empfohlen.
Für den Fußweg zum Aussichtspunkt reichen festes Schuhwerk und winddichte Kleidung, da der Weg ungeschützt über offenes Gelände führt. Ein Teleobjektiv lohnt sich, um die Gletscherzunge und die Rissstrukturen am Berghang aus sicherer Entfernung im Detail einzufangen.

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Gletschertouren – wohin stattdessen?
Da direkt auf dem Svínafellsjökull keine geführten Touren mehr stattfinden, haben die meisten Anbieter ihre Gletscherwanderungen und Eishöhlen-Touren auf den benachbarten Falljökull bei Skaftafell verlegt – nur wenige Fahrminuten entfernt, geologisch aber unabhängig vom instabilen Hang am Svínafellsjökull. Tagestouren dort kosten je nach Anbieter und Programm umgerechnet etwa 100–170 €.
Wo übernachten?
Direkt vor Ort gibt es kaum Unterkünfte – die meisten Besucher:innen übernachten im nahen Freysnes, direkt gegenüber dem Nationalpark-Eingang, oder etwas weiter westlich in Kirkjubæjarklaustur. Beide Orte lassen sich bequem über Booking.com vergleichen und buchen; in der Hauptsaison lohnt sich eine frühzeitige Reservierung.

Beste Reisezeit & Fotografie
Der Aussichtspunkt ist ganzjährig zugänglich. Am ruhigsten ist es früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn das Licht flach einfällt und die Kontraste zwischen blauem Eis, dunklem Gestein und Schnee am stärksten wirken. Wintermonate bringen oft klare Sicht, aber auch vereiste Wege zum Aussichtspunkt – festes, profiliertes Schuhwerk ist empfehlenswert.
Häufige Fragen zum Svínafellsjökull
Darf man den Svínafellsjökull noch betreten?
Offiziell rät die isländische Zivilschutzbehörde seit 2018 davon ab, wegen der Gefahr eines Bergsturzes aus dem angrenzenden Bergrücken Svínafellsheiði. Geführte Gletschertouren finden hier deshalb nicht mehr statt; empfohlen wird ein kurzer Aufenthalt am Aussichtspunkt.
Warum ist der Svínafellsjökull gesperrt?
Seit 2014 ist ein Riss im Bergrücken oberhalb des Gletschers bekannt, der sich stetig bewegt. Schätzungen gehen von rund 60 Millionen Kubikmetern Gestein aus, die abrutschen könnten – ein Risiko sowohl für den Gletscher als auch für Menschen darauf.
Kann man den Gletscher trotzdem sehen?
Ja. Vom Parkplatz aus führt ein rund 15-minütiger Fußweg zu einem Aussichtspunkt mit freiem Blick auf die Gletscherzunge – ganz ohne den Gletscher selbst zu betreten.
Wo wurden Batman Begins und Interstellar gedreht?
Beide Filme nutzten die charakteristische Aussicht auf die zerklüftete Gletscherzunge des Svínafellsjökull, ebenso wie mehrere Szenen von Game of Thrones.
Wie weit ist es zum Parkplatz?
Die Abzweigung liegt rund 5 Fahrminuten östlich des Besucherzentrums Skaftafell, über eine kurze Schotterstraße erreichbar.
Wo finde ich stattdessen eine Gletschertour in der Region?
Die Eishöhlen- und Gletschertouren bei Skaftafell auf dem Falljökull sind der gängige Ersatz, nur wenige Fahrminuten entfernt.
Lässt sich der Besuch mit Svartifoss kombinieren?
Ja. Der Svartifoss-Wasserfall mit seinen Basaltsäulen liegt nur eine kurze Wanderung vom Besucherzentrum Skaftafell entfernt und lässt sich gut am selben Tag wie der Aussichtspunkt am Svínafellsjökull besuchen.
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Fazit
Der Svínafellsjökull bleibt einer der eindrucksvollsten und meistfotografierten Orte Islands – aber seit 2018 nur noch zum Anschauen, nicht zum Betreten. Wer die Sicherheitswarnung respektiert und stattdessen eine Gletschertour auf dem benachbarten Falljökull bucht, bekommt trotzdem das volle Vatnajökull-Erlebnis, ganz ohne Risiko.