Am westlichsten Zipfel der Halbinsel Snaefellsnes liegt mit Djúpalónssandur einer der eindrucksvollsten schwarzen Lavastrände Islands – gerahmt von bizarren Felsformationen, übersät mit rostigen Wrackteilen eines Schiffsunglücks von 1948 und den legendären Hebesteinen, an denen isländische Fischer einst ihre Kraft maßen.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Was ist Djúpalónssandur?
Djúpalónssandur (übersetzt etwa „Sandstrand der tiefen Lagune“) liegt im Süden der Halbinsel Snaefellsnes, innerhalb des Snæfellsjökull-Nationalparks. Der schwarze Lavakiesstrand ist von schroffen, dunklen Felsformationen umgeben und gilt zusammen mit der benachbarten Bucht Dritvík als eines der fotogensten Ziele der ganzen Halbinsel. Anders als am bekannteren Reynisfjara im Süden Islands ist hier deutlich weniger los – ein Ort für Ruhe und Weite statt Reisebus-Trubel.
Die Hebesteine: Kraftprobe der Fischer
Namensgebend für einen der bekanntesten Programmpunkte am Strand sind die vier Hebesteine (isländisch: áþreystingarsteinar), die noch heute im Kies liegen. Früher mussten Fischer, die an der Küste bei Dritvík anheuern wollten, einen dieser Steine vom Boden stemmen, um ihre Tauglichkeit zu beweisen – je nach gestemmtem Gewicht wurde der Lohnanteil an der Fangbeute festgelegt. Die vier Steine tragen Namen, die ihr jeweiliges Kraftlevel beschreiben:
- Fullsterkur („Vollstark“): ca. 154 kg
- Hálfsterkur („Halbstark“): ca. 100 kg
- Hálfdrættingur („Schwächling“): ca. 54 kg
- Amlóði („Nutzloser“): ca. 23 kg
Wer möchte, kann sich selbst am Heben eines der Steine versuchen – Vorsicht ist trotzdem angebracht, die Steine sind schwer und uneben geformt.
Das Schiffswrack: Erinnerung an ein Unglück
Über den Strand verteilt liegen bis heute verrostete Metallteile eines Schiffswracks – die Überreste des britischen Trawlers Epine GY7 aus Grimsby, der in der Nacht des 13. März 1948 vor der Küste bei Dritvík zerschellte. 14 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, 5 wurden von einer isländischen Rettungsmannschaft gerettet. Die Wrackteile stehen heute als Denkmal unter Schutz und dürfen nicht entfernt oder verändert werden.
Dritvík: Islands einstiges Fischerei-Zentrum
Direkt neben Djúpalónssandur liegt die Bucht Dritvík, vom 16. bis ins 19. Jahrhundert eine der größten saisonalen Fischereistationen Islands. In den Hochzeiten arbeiteten hier zeitweise bis zu 600 Fischer während der Frühjahrssaison. Von der einstigen Siedlung sind noch Überreste von Steinunterständen und alten Bootslandeplätzen zu erkennen – ein stiller Kontrast zur menschenleeren Weite, die den Ort heute prägt.
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Fotografie-Tipps
Djúpalónssandur gehört zu den meistfotografierten Orten der Halbinsel, und das aus gutem Grund: Die Kombination aus schwarzem Kies, schroffen Felstürmen und rostigem Wrackmetall bietet auf engstem Raum enorm viele Motive. Bei bedecktem Himmel wirkt die Szenerie besonders dramatisch, weil das diffuse Licht die Texturen von Fels und Metall betont, ohne harte Schatten zu werfen. Am frühen Morgen ist der Strand meist am leersten – ideal, wenn Ihr Aufnahmen ohne andere Besucher im Bild haben wollt. Ein Weitwinkelobjektiv hilft, sowohl die Felsformationen im Hintergrund als auch Details wie die Hebesteine oder Wrackteile im Vordergrund einzufangen. Achtet beim Fotografieren trotzdem jederzeit auf die Wellen – kein Bild ist die Nähe zum Wasser wert.
Kombination mit Malarrif und Lóndrangar
Wer schon in der Gegend ist, sollte den kurzen Abstecher zum Malarrif-Leuchtturm und Besucherzentrum einplanen, das rund 10 Autominuten weiter südlich liegt. Von dort führt ein einfacher, rund 2,3 km langer Wanderweg entlang der Küste zu den Basaltfelsen von Lóndrangar – bei klarem Wetter mit Blick auf den Snæfellsjökull-Gletscher im Hintergrund. Die Kombination aus Djúpalónssandur, Malarrif und Lóndrangar lässt sich gut in 2-3 Stunden verbinden und deckt damit einen Großteil der Naturhighlights im südlichen Teil des Nationalparks ab.
Anfahrt & praktische Infos
Djúpalónssandur liegt rund 200 km bzw. gut 2,5 Stunden Fahrzeit von Reykjavík entfernt. Die Anfahrt führt über die Straße 574, die einmal um die gesamte Halbinsel Snaefellsnes führt – kurz nach Ólafsvík zweigt die Straße 572 ab und führt nach rund 2 km direkt zum ausgeschilderten Parkplatz. Der Nationalpark erhebt keinen Eintritt, Parken ist kostenlos. Am Parkplatz gibt es eine Infotafel und im Sommer geöffnete Toiletten. Von dort führt ein gut ausgeschilderter Fußweg durch ein Lavafeld in rund 10-15 Minuten hinunter zum Strand; ein rollstuhlgerechter Aussichtspunkt ermöglicht zusätzlich einen Blick über den Strand ohne den Abstieg. Markierte Wanderwege führen weiter nach Dritvík.
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Sicherheit am Strand
Wie an vielen exponierten Küstenabschnitten Islands ist auch an Djúpalónssandur mit Sneaker Waves zu rechnen – unerwartet weit auslaufenden Wellen, die schon mehrere Menschenleben gefordert haben. Schwimmen und Baden sind am Strand nicht erlaubt, mehrere Warnschilder weisen auf die Gefahr hin. Haltet ausreichend Abstand zum Wasser und wendet dem Meer niemals den Rücken zu, egal wie ruhig es gerade wirkt.
Was liegt in der Nähe?
- Lóndrangar: die markanten, bis zu 75 m hohen Basaltfelsen wenige Kilometer weiter südlich, erreichbar über einen Weg ab dem Malarrif-Besucherzentrum.
- Saxhóll-Krater: ein leicht zugänglicher Vulkankrater mit Aussichtstreppe, nur eine kurze Fahrt entfernt.
- Vatnshellir-Höhle: geführte Touren durch eine 8.000 Jahre alte Lavaröhre, ebenfalls im Nationalpark gelegen.
Häufige Fragen zu Djúpalónssandur
Kostet der Besuch von Djúpalónssandur Eintritt?
Nein, der Zugang zum Strand und der Parkplatz sind kostenlos – Djúpalónssandur liegt im Snæfellsjökull-Nationalpark, der keinen Eintritt erhebt.
Darf man am Djúpalónssandur baden oder schwimmen?
Nein, Schwimmen und Baden sind wegen der gefährlichen Strömung und der Sneaker-Wave-Gefahr nicht erlaubt.
Was ist die Geschichte des Schiffswracks am Strand?
Es handelt sich um die Überreste des britischen Trawlers Epine GY7, der am 13. März 1948 vor Dritvík sank. 14 Besatzungsmitglieder starben, 5 wurden gerettet. Die Wrackteile stehen heute als Denkmal unter Schutz.
Wie schwer sind die Hebesteine von Djúpalónssandur?
Die vier Steine wiegen zwischen ca. 23 kg (Amlóði) und ca. 154 kg (Fullsterkur) – früher ein Kraftnachweis für Fischer, die in Dritvík anheuern wollten.
Ist Djúpalónssandur mit Kindern geeignet?
Der Strand selbst ist zugänglich, aber wegen der Sneaker-Wave-Gefahr und der uneinsehbaren Brandung sollten Kinder immer im Blick bleiben und ausreichend Abstand zum Wasser halten.
Fazit
Djúpalónssandur vereint auf engem Raum, wofür die Halbinsel Snaefellsnes bekannt ist: dramatische Küstenlandschaft, isländische Geschichte und eine Ruhe, die man an den überlaufeneren Stränden der Südküste oft vermisst. Wer die Halbinsel bereist, sollte den kurzen Umweg zum Strand und weiter nach Dritvík unbedingt einplanen. Bei einer kompletten Umrundung der Halbinsel lohnt sich zusätzlich der Abstecher in den Norden zum Kirkjufell, dem meistfotografierten Berg Islands.




