Türkisfarbenes Gletscherwasser zwischen dicht aneinandergereihten Basaltsäulen – der Stuðlagil Canyon im Osten Islands gilt als einer der meistfotografierten Orte des Landes, obwohl er erst seit wenigen Jahren überhaupt zugänglich ist. Zwei völlig unterschiedliche Aussichtspunkte, eine Anfahrt über Schotterpiste und ein Wasserstand, der sich je nach Jahreszeit komplett verändert – hier bekommt Ihr alles, was Ihr für den Besuch wissen müsst.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Was ist der Stuðlagil Canyon?
Der Stuðlagil Canyon ist eine enge Flussschlucht im Jökuldalur-Tal im Osten Islands, deren Wände aus dicht aneinandergereihten, sechseckigen Basaltsäulen bestehen – entstanden durch eine vulkanische Eruption, deren Lava beim schnellen Abkühlen die charakteristische Säulenstruktur bildete. Ähnliche Basaltformationen kennt Ihr vielleicht schon vom Svartifoss in Skaftafell oder vom Litlanesfoss beim Hengifoss – in Stuðlagil ist die Dichte der Säulen jedoch besonders eindrucksvoll.

Bis vor wenigen Jahren war der Canyon komplett unter Wasser verborgen: Das Kárahnjúkar-Wasserkraftwerk (gebaut 2003–2009) staute den Fluss Jökla weiter südlich zu einem Stausee, wodurch der Wasserstand im Jökuldalur-Tal um mehrere Meter sank und die Basaltsäulen freilegte. Bekannt wurde der Canyon aber erst 2016, als der isländische Fotograf Einar Páll Svavarsson ihn fotografierte und die Bilder im Jahr darauf im WOW-Magazin veröffentlichte – seither ist Stuðlagil eines der meistgesuchten Fotomotive Islands.
Die Farbe des Flusses wechselt dabei je nach Jahreszeit: Von März bis Juli ist das Wasser bei niedrigem Pegel oft kristallklar bis türkisblau, danach färbt es sich durch Gletscherschmelzwasser zunehmend grau-braun. Ende August lässt das Kraftwerk zusätzlich Wasser aus dem Stausee ab, was den Pegel und die Farbe nochmal deutlich verändert.
West- oder Ostseite – welche Route solltet Ihr wählen?
Wenn Ihr nur eine Seite besuchen könnt, nehmt die Ostseite – nur von dort seht Ihr den Canyon wirklich vollständig und könnt bis auf Höhe der Basaltsäulen hinabsteigen. Die Westseite ist schneller erreichbar, zeigt aber nur einen Teilausschnitt des Canyons von oben.
- Westseite: Parkplatz direkt an der Straße, von dort führt eine 245-stufige Metalltreppe zu einer kleinen Aussichtsplattform. Gesamtdauer: ca. 20-30 Minuten. Der Blick reicht nur auf einen Teil des Canyons, der Hauptabschnitt liegt hinter einer Flussbiegung außer Sicht.
- Ostseite: Deutlich längere, aber flache Wanderung entlang des Flussufers bis zum besten Aussichtspunkt direkt über den Basaltsäulen, mit der Möglichkeit, über ein Seil bis auf Höhe der Säulen und teils bis ans Wasser hinabzusteigen.

Die Wanderung zur Ostseite
Auf der Ostseite gibt es zwei Parkmöglichkeiten, die die Gehzeit stark beeinflussen. Der erste Parkplatz liegt direkt vor einer Holzbrücke über den Jökla-Fluss – von hier sind es rund 5 km einfache Strecke bis zum Aussichtspunkt, insgesamt also gut 2 Stunden für Hin- und Rückweg. Wer über die Brücke fährt, erreicht nach rund 2 km einen zweiten, kleineren Parkplatz – von dort halbiert sich die Gehzeit auf etwa 1 Stunde für Hin- und Rückweg.
Der Weg selbst ist flach und gut ausgeschildert, verläuft zunächst auf einem unauffälligen Schotterpfad und wird nach den ersten Kilometern zu einem schmalen Pfad direkt am Rand der Schlucht. Nach rund 700 Metern ab dem zweiten Parkplatz kommt Ihr am kleinen Wasserfall Stuðlafoss vorbei, der von Basaltsäulen eingerahmt wird und von vielen Besuchern übersehen wird – ein kurzer Stopp lohnt sich.

Am Aussichtspunkt selbst könnt Ihr entweder von oben auf die Basaltsäulen blicken oder über ein an den Felsen befestigtes Seil vorsichtig bis auf die Höhe der Säulen hinabsteigen – nass, glatt und ohne Geländer auf dieser Seite, also nur mit trittsicherem Schuhwerk und Vorsicht. Der Fluss Jökla selbst darf laut offizieller Tourismusbehörde der Region nicht betreten werden – die Strömung des Gletscherflusses ist extrem stark und teils unter der Oberfläche nicht erkennbar, ein Einstieg ins Wasser ist verboten und lebensgefährlich.
Von Anfang Mai bis Mitte Juni brüten in der Umgebung außerdem zahlreiche Kurzschnabelgänse – bleibt in dieser Zeit unbedingt auf den markierten Wegen, um die Vögel nicht zu stören.

Anfahrt & praktische Infos
Die Zufahrt zum Stuðlagil Canyon erfolgt über die Schotterstraße 923, die von der Ringstraße abzweigt. Ab Egilsstaðir sind es rund 52 km bzw. etwa 1 Stunde Fahrzeit, ab Mývatn etwa 1,5 Stunden. Die Piste ist in gutem Zustand und mit einem normalen 2WD-Mietwagen bei trockenem Wetter befahrbar – nach starkem Regen ist Vorsicht geboten, da einzelne Schlaglöcher tief werden können.

An der Kreuzung bei Skjödólfsstaðir müsst Ihr Euch entscheiden: Der ausgeschilderte Weg führt zunächst zur Westseite, für die Ostseite biegt Ihr stattdessen früher links ab Richtung Klaustursel-Hof. Auf der Westseite gibt es einen großen Parkplatz mit kostenpflichtigen Toiletten und Wasserzapfstellen, auf der Ostseite dagegen keinerlei Infrastruktur. Das Parken selbst kostet an beiden Seiten 1.000 ISK (ca. 7 €) pro Fahrzeug und pro Tag – bezahlt wird per QR-Code über die Parka-App, ein Schild am Weganfang weist darauf hin.
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Wer übernachten möchte, findet direkt in Grund (Westseite) und beim offiziellen Ostseite-Parkplatz einfache Unterkünfte sowie einen Campingplatz mit rund 100 Stellplätzen, Toiletten und Waschbecken. Weitere Auswahl gibt es im rund eine Autostunde entfernten Egilsstaðir – buchbar z.B. über Booking.com.
Beste Reisezeit
Die schönste Wasserfarbe seht Ihr zwischen März und Juli, wenn der Fluss bei niedrigem Pegel klar bis türkisblau ist. Im Sommer ist der Andrang entsprechend groß – kommt vor 10 Uhr morgens oder nach 18 Uhr, um dem größten Trubel zu entgehen. Ab Ende August verändert das Kraftwerk oberhalb den Wasserstand spürbar, wodurch die Farbe ins Gräulich-Braune kippt und die Vegetation rundherum schon herbstlich wird.
Praktische Tipps
- Route wählen: Bei wenig Zeit die Ostseite über den zweiten Parkplatz (ca. 1 Std. Gehzeit) – bester Gesamteindruck für den geringsten Aufwand
- Ausrüstung: Feste, trittsichere Schuhe, besonders wenn Ihr auf der Ostseite bis zu den Basaltsäulen hinabsteigen wollt
- Zeit einplanen: Ostseite ca. 1-2 Std. je nach Parkplatz, Westseite ca. 20-30 Min.
- Fotografie: Bewölkter Himmel oder späte Nachmittagsstunden liefern das ausgeglichenste Licht für Fotos im Canyon
- Kombination: Gut verbindbar mit einem Abstecher zum Hengifoss oder einer Runde durch die Ostfjorde
Häufige Fragen zum Stuðlagil Canyon
West- oder Ostseite – was ist besser?
Die Ostseite bietet den deutlich besseren Blick auf den gesamten Canyon und die Möglichkeit, bis auf Höhe der Basaltsäulen hinabzusteigen. Die Westseite ist mit einer kurzen Treppe schneller erreichbar, zeigt den Canyon aber nur teilweise.
Wie lange dauert die Wanderung zum Stuðlagil?
Von der Ostseite je nach Parkplatz 1 bis 2 Stunden für Hin- und Rückweg, von der Westseite reichen 20-30 Minuten für die Treppe zur Aussichtsplattform.
Braucht man einen Allradwagen für die Anfahrt?
Nein, die Schotterstraße 923 ist bei trockenem Wetter mit einem normalen 2WD-Mietwagen befahrbar. Nach starkem Regen ist wegen tiefer Schlaglöcher besondere Vorsicht geboten.
Wann ist die beste Zeit für die schönste Wasserfarbe?
Zwischen März und Juli ist der Fluss bei niedrigem Wasserstand oft klar bis türkisblau. Ab Ende August verändert das Kraftwerk oberhalb den Pegel, die Farbe wird gräulich-braun.
Kann man im Stuðlagil Canyon baden?
Nein, das Betreten des Flusses Jökla ist verboten und lebensgefährlich. Die Strömung des Gletscherflusses ist extrem stark und teils unter der Oberfläche nicht erkennbar.
Fazit
Stuðlagil ist kein Ort für einen kurzen Fotostopp im Vorbeifahren, sondern verdient einen bewussten Abstecher abseits der Ringstraße. Wer auf der Ostseite bis zu den Basaltsäulen hinabsteigt, bekommt einen der eindrucksvollsten Blicke, die Island zu bieten hat – wer wenig Zeit hat, sieht auf der Westseite zumindest einen Ausschnitt davon. Kombiniert den Besuch am besten mit einem Abstecher zum Hengifoss oder einer ausgedehnteren Tour durch die Ostfjorde.