Man muss keine Tour buchen, um in Island vor einer Gletscherzunge zu stehen: Die Skaftafellsjökull Wanderung führt in gut einer Stunde vom Besucherzentrum bis an den Rand des Gletschers — auf einem breiten, fast ebenen Weg, kostenlos und ohne Ausrüstung. Sie ist die einfachste Möglichkeit im Vatnajökull-Nationalpark, dem Eis wirklich nahe zu kommen.
Zuletzt aktualisiert: August 2026
Die Wanderung zur Gletscherzunge in Kürze
Der Weg heißt offiziell S1 (Glacier trail), ist rund 3,7 bis 4,1 Kilometer lang (hin und zurück) und dauert 1 bis 1,5 Stunden. Der Nationalpark stuft ihn als leicht ein, bei nur etwa 80 Höhenmetern.
| Weg | S1 „Glacier trail“, ab Besucherzentrum Skaftafell |
| Länge | 3,7–4,1 km hin und zurück |
| Dauer | 1–1,5 Stunden |
| Schwierigkeit | leicht, ca. 80 Höhenmeter |
| Untergrund | erste Hälfte asphaltiert, danach fester Schotter |
| Kosten | Wanderung kostenlos, Parkgebühr 1.110 ISK pro PKW |
Die Längenangaben unterscheiden sich je nach Quelle: Der Nationalpark selbst nennt 4,1 km, mehrere Wanderportale 3,7 km. Der Unterschied erklärt sich durch den Startpunkt — ab Parkplatz sind es etwas weniger als ab dem Besucherzentrum. Für die Planung macht das keinen Unterschied, beide Varianten liegen bei gut einer Stunde.

Wegverlauf: Was Euch unterwegs erwartet
Der Weg beginnt östlich des Besucherzentrums und führt zunächst asphaltiert durch flaches Schwemmland. Die zweite Hälfte ist geschotterte Piste — breit, gut markiert und fest genug, dass Ihr keine Wandererfahrung braucht. Anspruchsvoll ist hier nichts, der Reiz liegt darin, wie sich die Landschaft verändert: Je näher Ihr kommt, desto mehr weicht die Vegetation grauem Geröll, das der Gletscher in Jahrtausenden hierher geschoben hat.
Am Ende steht Ihr vor der Gletscherzunge des Skaftafellsjökull und der kleinen Lagune, die sich an ihrer Front gebildet hat. Darin treiben oft graue und blau schimmernde Eisbrocken. Diese Lagune ist übrigens jung: Sie ist erst entstanden, weil sich der Gletscher seit Jahrzehnten sichtbar zurückzieht — auf älteren Fotos reicht das Eis noch deutlich weiter ins Tal.
Wie nah kommt man an den Gletscher heran?
Bis an den Rand der Lagune und den Schuttsaum der Gletscherzunge — aber nicht auf das Eis. Am Ende des Weges steht ein Warnschild, dessen Hinweise Ihr ernst nehmen solltet: Das Randeis ist mit Geröll bedeckt und dadurch trügerisch, es können Eisbrocken abbrechen, und die Lagune hat unter der Oberfläche steile Abbruchkanten. Wer tatsächlich auf dem Gletscher laufen will, braucht eine geführte Tour mit Steigeisen und zertifiziertem Guide — das ist keine Formalität, sondern der Unterschied zwischen einem Spaziergang und einer Bergtour auf Spaltenterrain.

Parkgebühr, Öffnungszeiten und Anfahrt
Die Wanderung selbst kostet nichts, das Parken schon: Der Nationalpark verlangt 1.110 ISK (ca. 8 €) für einen PKW mit bis zu fünf Sitzen, 1.440 ISK für größere Fahrzeuge und 450 ISK für Motorräder. Das Ticket gilt bis Mitternacht des bezahlten Tages, Ihr könnt also zwischendurch wegfahren und wiederkommen. Gut zu wissen: Wer am selben Tag bereits in einem anderen gebührenpflichtigen Bereich des Vatnajökull-Nationalparks bezahlt hat, bekommt 50 Prozent Rabatt.
Skaftafell liegt direkt an der Ringstraße, rund 330 km und etwa 4 Stunden von Reykjavík entfernt. Das Besucherzentrum Skaftafellsstofa ist laut Nationalpark ganzjährig geöffnet, die Uhrzeiten wechseln aber saisonal (im Sommer deutlich länger als im Winter) — die aktuellen Zeiten stehen auf vatnajokulsthjodgardur.is. Der Wanderweg selbst ist rund um die Uhr zugänglich.
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Mit dem Svartifoss kombinieren
Vom selben Parkplatz startet der zweite bekannte Weg des Gebiets: der S2 zum Svartifoss, dem Wasserfall mit den schwarzen Basaltsäulen. Er ist mit 5,5 km und 1,5 bis 2 Stunden etwas länger und steiler (rund 140 Höhenmeter auf den ersten 1,5 km) und führt am alten Torfhaus Sel vorbei.
Beide Wege zusammen ergeben einen guten halben bis dreiviertel Tag in Skaftafell — die klassische Kombination, wenn Ihr auf der Ringstraße zwischen Jökulsárlón und Vík unterwegs seid. Wer die Gletscherzunge lieber nur aus der Ferne sehen möchte, findet wenige Fahrminuten weiter östlich am Svínafellsjökull einen Aussichtspunkt ohne Wanderung.
Wandern oder doch eine geführte Tour?
Die Wanderung zeigt Euch den Gletscher von unten — beeindruckend, aber eben aus Distanz. Wer aufs Eis will, blaue Spalten sehen oder im Winter eine Eishöhle besuchen möchte, braucht eine gebuchte Tour ab demselben Besucherzentrum. Was dabei auf Euch zukommt, was es kostet und wann die Saison läuft, steht in unserem Guide zur Skaftafell Eishöhle. Hintergrund zum Eisriesen selbst, von dem der Skaftafellsjökull nur eine von vielen Zungen ist, findet Ihr im Artikel zum Vatnajökull Gletscher.
Beste Zeit, Ausrüstung und Übernachten
Der Weg ist ganzjährig begehbar. Im Sommer reichen feste Turnschuhe, im Winter und nach Regen sind wasserdichte Wanderschuhe deutlich angenehmer, weil der Schotter dann matschig wird. Wind gibt es im offenen Schwemmland fast immer — eine winddichte Jacke gehört auch im Juli ins Gepäck.
Übernachten könnt Ihr direkt am Nationalpark auf dem Campingplatz Skaftafell (2.800 ISK pro Person und Nacht, Kinder bis 16 frei, Strom 1.500 ISK) oder in einem der wenigen Hotels in Freysnes und Kirkjubæjarklaustur. Unterkünfte in der Region lassen sich über Booking.com vergleichen — in der Hochsaison früh buchen, das Angebot rund um Skaftafell ist überschaubar.
Häufige Fragen zur Skaftafellsjökull Wanderung
Wie lang ist die Wanderung zum Skaftafellsjökull?
3,7 bis 4,1 Kilometer hin und zurück, je nach Startpunkt. Ihr braucht 1 bis 1,5 Stunden, der Weg gilt als leicht.
Kostet die Wanderung etwas?
Die Wanderung ist kostenlos, es fällt nur die Parkgebühr des Nationalparks an: 1.110 ISK pro PKW, gültig bis Mitternacht.
Kann man auf dem Skaftafellsjökull laufen?
Nicht auf eigene Faust. Bis an den Rand der Gletscherzunge könnt Ihr laufen, das Betreten des Eises ist nur mit geführter Tour und Steigeisen erlaubt und sicher.
Ist die Wanderung für Kinder geeignet?
Ja. Der Weg ist breit, fast eben und zur Hälfte asphaltiert, der Nationalpark stuft ihn als leicht ein. Zur Befahrbarkeit mit Kinderwagen gibt es allerdings keine offizielle Angabe — die zweite Hälfte ist Schotter.
Lohnt sich Skaftafell auch ohne gebuchte Gletschertour?
Ja. Mit der Gletscherwanderung S1 und dem Svartifoss-Rundweg S2 habt Ihr zwei sehenswerte Wege, die zusammen einen halben Tag füllen — ganz ohne Buchung.
Fazit
Die Skaftafellsjökull Wanderung ist der unkomplizierteste Weg, in Island vor einer echten Gletscherzunge zu stehen: eine Stunde auf gutem Weg, keine Ausrüstung, kein Guide, nur die Parkgebühr. Wer mehr will — aufs Eis, in eine Höhle — bucht zusätzlich eine Tour. Wer einfach nur sehen will, wie nah Gletscher und Ringstraße in Island beieinanderliegen, ist hier genau richtig.