Wer mit dem Mietwagen ins isländische Hochland will, kommt am Furten nicht vorbei – dem Durchqueren von Flüssen ohne Brücke. Für die meisten F-Roads gibt es keine Alternative, und es ist der anspruchsvollste und potenziell gefährlichste Teil des Hochlandfahrens. Wir haben auf unseren eigenen Hochland-Etappen etliche Furten gemeistert – hier bekommt Ihr alles, was Ihr für eine sichere Durchquerung wissen müsst, faktengecheckt und mit konkreten Zahlen.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Was bedeutet Furten überhaupt?
Furten heißt: einen Fluss oder Bach ohne Brücke mit dem Auto durchqueren. Im isländischen Hochland gibt es unzählige solcher Flussquerungen – in 99% der Fälle ohne Brücke. Jede Furt ist anders, und dieselbe Furt kann sich von einem Tag auf den anderen komplett verändern, je nach Wetter, Jahreszeit und Wasserstand.

Welche Furt-Typen gibt es?
Grob lassen sich Furten in vier Kategorien nach Wassertiefe einteilen:
- Pfütze (bis 15 cm): unproblematisch, selbst mit einem normalen Mietwagen ohne Tempoverlust durchfahrbar – kommt auf F-Roads aber eher selten vor, da diese ohnehin nur für Allradfahrzeuge freigegeben sind.
- Machbar (15-30 cm): braucht gute Bodenfreiheit und die richtige Ideallinie, ist aber auch mit einem günstigen SUV wie dem Dacia Duster in der Regel kein Problem.
- Anspruchsvoll (30-60 cm): hier ist Vorsicht Pflicht. Mit einem normalen SUV wie Duster oder Suzuki Jimny grundsätzlich machbar, aber nur mit der richtigen Technik – im Zweifel vorher zu Fuß durchlaufen.
- Gefährlich (über 60 cm): braucht einen echten Geländewagen mit hoher Wattiefe. Mit einem normalen SUV oder kleinen Allradwagen solltet Ihr das auf keinen Fall versuchen.
Welches Auto für welche Furt? Die Wattiefe zählt
Neben der Bodenfreiheit (Abstand zwischen Unterboden und Fahrbahn) ist die Wattiefe entscheidend – also wie tief ein Fahrzeug im Wasser stehen darf, bevor Motor oder Elektronik Schaden nehmen. Offizielle Herstellerangaben für gängige Island-Mietwagen:
- Dacia Duster: ca. 35 cm (verifiziert über Hersteller-Community-Daten)
- Suzuki Jimny / Grand Vitara: ca. 40 cm
- Land Rover Discovery / Toyota Land Cruiser: ca. 70 cm
Hinweis: Einige Reiseführer nennen für den Duster in der Praxis großzügigere Werte um 40-50 cm. Wir empfehlen, Euch an die konservativere Herstellerangabe von 35 cm zu halten und bei tieferen Furten umzukehren, statt die Grenze auszureizen – genau das haben wir auf unseren eigenen Touren mit dem Duster auch so gehandhabt.

Was beeinflusst die Wassertiefe?
- Regen am Vortag: Flüsse führen danach meist deutlich mehr Wasser und sind tiefer.
- Jahreszeit: Gletscherflüsse führen im Frühsommer durch die Schneeschmelze viel mehr Wasser als im Spätsommer.
- Flussbett-Beschaffenheit: Ein matschiges Flussbett birgt Steckenbleib-Gefahr, ein steiniges bis kiesiges Flussbett lässt sich meist einfacher durchfahren.
Schritt für Schritt: Sicher durch eine Furt
- Straßenstatus prüfen: Ist die F-Road laut road.is gesperrt, umkehren – dann ist es zu gefährlich.
- Fluss genau anschauen: Seht Ihr den Grund? Wenn nicht, lieber zu Fuß durchlaufen, bevor Ihr mit dem Auto reinfahrt.
- Auf andere Fahrzeuge warten: Kommt ein ähnliches Fahrzeug vorbei, lasst es zuerst durchfahren und beobachtet die Linie.
- Fluss mit dem Auto vergleichen: Würde das Wasser höher als der Kotflügel stehen? Dann ist es ohne Schnorchel zu tief.
- Markierungen beachten: Oft zeigen Fähnchen oder Stöcke die Ideallinie – folgt ihr, auch wenn sie nicht der kürzeste Weg ist.
- Im Bogen fahren, nie mittig: Die Flussmitte ist durch häufiges Durchfahren oft ausgewaschener und tiefer. Fahrt einen Bogen gegen die Fließrichtung.
- Schnell fließende Stellen wählen: Dort ist der Fluss meist flacher als an ruhigen Stellen.
- Allrad vor der Furt einschalten: Im Fluss ist es dafür zu spät.
- Langsam, aber stetig fahren: Zu schnell erzeugt eine Bugwelle, die in den Lufteinlass gelangen und den Motor abwürgen kann. Zu langsam oder ein Stopp mitten in der Furt riskiert Steckenbleiben – bleibt im ersten Gang und schaltet nicht.

Versicherung: Furtschäden sind meist nicht abgedeckt
Ein Punkt, den viele unterschätzen: Die allermeisten Mietwagenversicherungen in Island – auch Vollkasko-Pakete – schließen Schäden durchs Furten explizit aus. Das gilt selbst dann, wenn Ihr auf einer offiziell freigegebenen F-Road unterwegs wart. Prüft das vor der Buchung genau bei Eurem Vermieter und kalkuliert das Risiko entsprechend ein – im Zweifel lieber eine Furt auslassen und umkehren, als einen liegengebliebenen Mietwagen mitten im Hochland zu riskieren.
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Wann Ihr auf keinen Fall furten solltet
- Wenn die Straße laut road.is offiziell gesperrt ist
- Wenn Ihr den Grund des Flusses nicht erkennen könnt und niemand vor Ort ist, der Euch helfen kann
- Wenn Ihr allein unterwegs seid und eine anspruchsvolle oder gefährliche Furt vor Euch liegt
- Bei Dämmerung oder Dunkelheit, wenn Ihr die Wassertiefe schlecht einschätzen könnt
- Wenn Euer Fahrzeug laut Mietvertrag nicht für F-Roads freigegeben ist
Unsere eigenen Erfahrungen aus dem Hochland
Auf unseren Hochland-Etappen – unter anderem zum Laki-Krater über die F206 und nach Landmannalaugar über die südliche F208 – sind wir mit einem Dacia Duster gut durch die Furten gekommen, die uns auf unserer Route begegnet sind. Bei einer besonders tiefen Furt direkt vor dem offiziellen Parkplatz in Landmannalaugar war für uns aber Schluss: Wir haben davor geparkt und die letzten Meter zu Fuß zurückgelegt, statt es zu riskieren.

Praktische Infos zum Furten
- Straßenstatus: immer vorher auf road.is prüfen
- Fahrzeug: nur mit einem für F-Roads zugelassenen Allradfahrzeug furten
- Versicherung: Furtschäden meist nicht abgedeckt – vorher beim Vermieter klären
- Ausrüstung: wasserfeste Schuhe für die Tiefenprüfung zu Fuß sind hilfreich
- Grundregel: im Zweifel immer umkehren statt ein Risiko einzugehen
Häufige Fragen zum Furten in Island
Wie tief darf eine Furt für einen Dacia Duster maximal sein?
Die offizielle Wattiefe liegt bei rund 35 cm. Wir empfehlen, deutlich unter diesem Wert zu bleiben und bei tieferen Furten umzukehren.
Sind Furtschäden bei der Mietwagenversicherung abgedeckt?
In den meisten Fällen nein, auch nicht bei Vollkasko-Paketen. Klärt das vor der Buchung direkt beim Vermieter.
Darf ich mit einem normalen Mietwagen furten?
Nein – F-Roads mit Furten dürfen nur mit einem dafür zugelassenen Allradfahrzeug befahren werden. Ein normaler 2WD-Mietwagen ist weder geeignet noch versichert.
Woran erkenne ich, ob eine Furt zu tief ist?
Als Faustregel: Würde das Wasser höher als der Kotflügel stehen, ist es ohne Schnorchel zu tief. Im Zweifel immer vorher zu Fuß die Tiefe prüfen.
Was mache ich, wenn ich mir eine Furt nicht zutraue?
Umkehren. Das ist keine Schande – viele Hochlandziele lassen sich auch von einem sicheren Parkplatz aus zu Fuß erreichen, wie wir es selbst in Landmannalaugar gemacht haben.
Fazit
Furten ist der Teil des isländischen Hochlandfahrens, bei dem Vorsicht wichtiger ist als Mut. Mit der richtigen Vorbereitung, einem passenden Fahrzeug und der Bereitschaft, im Zweifel umzukehren, ist es aber gut zu meistern – und gehört am Ende zu den Erlebnissen, an die man sich noch lange erinnert.