Kaum ein Tier steht so sehr für den isländischen Sommer wie der Papageientaucher: der bunte Schnabel, der watschelnde Gang an Land, die halsbrecherischen Sturzflüge ins Meer. Zwischen Ende April und August brüten Millionen von ihnen an den Steilküsten der Insel – und anders als bei vielen anderen Wildtier-Begegnungen braucht Ihr dafür weder Bootstour noch Glück, sondern nur den richtigen Ort zur richtigen Zeit. Wir zeigen Euch, wo Ihr die besten Chancen habt und worauf Ihr bei der Beobachtung achten solltet.
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Wann sind Papageientaucher in Island?

Die Vögel treffen ab Ende April an den Küsten ein und bleiben zum Brüten bis Ende August, in manchen Kolonien vereinzelt bis in den September. Die beste Beobachtungszeit liegt zwischen Mai und Mitte August, wenn die Population ihren Höhepunkt erreicht. Danach ziehen sich die Papageientaucher wieder aufs offene Meer zurück, wo sie den Rest des Jahres verbringen – außerhalb der Brutsaison bekommt Ihr sie in Island praktisch nicht zu Gesicht. Am aktivsten sind sie am frühen Morgen und späten Nachmittag/Abend, wenn die Elterntiere mit gefangenen Sandaalen von der Jagd zurückkehren, um ihre Küken in den Bruthöhlen zu füttern. Über Mittag sind viele Vögel auf See und die Klippen wirken deutlich ruhiger.
Verhalten & Bruthöhlen: Was macht Papageientaucher besonders?
Papageientaucher graben ihre Nester als bis zu einem Meter tiefe Höhlen in die Grasnarbe auf Klippenoberkanten, oft in denselben Höhlen, die sie oder ihre Artgenossen bereits in Vorjahren genutzt haben. Beide Elternteile teilen sich die Brutpflege etwa hälftig, die Küken bleiben rund 40 Tage in der Höhle, bevor sie flügge werden. Genau wegen dieser Bodenhöhlen ist Vorsicht geboten: Der Untergrund direkt über einer Bruthöhle kann bei Betreten einbrechen und sowohl Euch als auch das Nest gefährden – bleibt deshalb immer auf den markierten Wegen.
Die besten Orte für Papageientaucher in Island
Látrabjarg (Westfjorde) – die dichteste Kolonie

Europas größter Vogelfelsen mit Millionen Brutpaaren, darunter riesige Papageientaucher-Kolonien direkt an den bis zu 441 Meter hohen Klippen. Alles zu Anfahrt, Regeln im Naturschutzgebiet und den besten Beobachtungszeiten vor Ort findet Ihr in unserem ausführlichen Látrabjarg-Guide.
Kap Dyrhólaey & Reynisfjara (Südküste) – am einfachsten erreichbar
Für die meisten Reisenden entlang der Ringstraße die bequemste Option, da beide Orte ohnehin auf der Standard-Route liegen. Details zu Sperrzeiten während der Brutsaison und der Anfahrt zum oberen Parkplatz stehen in unserem Kap-Dyrhólaey-Guide, aktuelle Infos zum benachbarten Strand in unserem Reynisfjara-Guide.
Borgarfjörður Eystri (Osten) – der Geheimtipp
Im kleinen Fischerort im Osten Islands wurde extra ein Beobachtungshügel mit Aussichtsplattform direkt neben der Kolonie bei Hafnarhólmi angelegt – Ihr steht hier oft nur wenige Meter von den Vögeln entfernt, ganz ohne Kletterei oder Absturzgefahr. Viele Islandkenner halten Borgarfjörður Eystri für den entspanntesten und zugänglichsten Beobachtungsort im ganzen Land, allerdings mit deutlich längerer Anfahrt abseits der Ringstraße.
Vestmannaeyjar (Westman-Inseln) – die größte Kolonie Islands
Die Inselgruppe vor der Südküste beherbergt die mit Abstand größte Papageientaucher-Kolonie Islands, mit mehreren hunderttausend Brutpaaren rund um den Berg Stórhöfði auf der Hauptinsel Heimaey. Die Fähre ab Landeyjahöfn braucht nur rund 30-45 Minuten. Bekannt sind die Westman-Inseln außerdem für die „Puffin Patrol“ – jeden Spätsommer sammeln vor allem Kinder orientierungslose Jungvögel ein, die von den Lichtern der Stadt statt vom Mond zum offenen Meer geleitet wurden, und setzen sie am nächsten Morgen sicher an den Klippen aus.
Norden: Grímsey & Tjörnes-Halbinsel
Wer ohnehin für Walbeobachtung in Húsavík unterwegs ist, findet an der Tjörnes-Halbinsel sowie auf der direkt am Polarkreis gelegenen Insel Grímsey weitere zuverlässige Kolonien. Grímsey erreicht Ihr per Flug ab Akureyri oder mit der mehrstündigen Fähre – eher etwas für Reisende, die dem Polarkreis-Fototermin ohnehin einen eigenen Tag widmen, als für einen spontanen Zwischenstopp.
Reykjavík: Bootstour ohne große Anfahrt
Wer keine Zeit für einen Ausflug in eine der Regionen hat, kann direkt vom Alten Hafen in Reykjavík aus eine rund einstündige Bootstour zu den vorgelagerten Inseln Akurey oder Lundey buchen – die einfachste Option, wenn Ihr nur wenige Tage in der Hauptstadt verbringt. Die Anbieter garantieren zwar keine Sichtung, die Erfolgsquote ist während der Saison aber hoch, da die Inseln zu den dichter besiedelten Kolonien in Reykjavík-Nähe zählen.
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Sicherheit & Verhaltensregeln bei der Beobachtung
Haltet ausreichend Abstand zur Klippenkante – die meisten Beobachtungspunkte haben keine durchgehenden Absperrungen, und Unfälle passieren meist, weil Besucher für ein besseres Foto zu nah herangehen. Bleibt auf markierten Wegen, um Bruthöhlen nicht durch Einbrechen zu beschädigen, und verzichtet auf laute Geräusche und hektische Bewegungen in Nestnähe. Ein Zoomobjektiv oder Fernglas ersetzt jede Nahannäherung und liefert ohnehin die besseren Aufnahmen, da die Vögel bei Störung schnell auffliegen.
Häufige Fragen zu Papageientauchern in Island
Wann ist die beste Zeit, um Papageientaucher in Island zu sehen?
Zwischen Mai und Mitte August, mit dem besten Zeitfenster am frühen Morgen und späten Nachmittag/Abend. Ab Ende August ziehen sich die meisten Vögel bereits aufs offene Meer zurück.
Wo sieht man in Island die meisten Papageientaucher?
Die größte Kolonie befindet sich auf den Westman-Inseln (Vestmannaeyjar), die am dichtesten besiedelten Klippen liegen in Látrabjarg in den Westfjorden. Am einfachsten von der Ringstraße aus zugänglich sind Kap Dyrhólaey und Reynisfjara an der Südküste.
Kann man Papageientaucher auch ohne Bootstour sehen?
Ja – Látrabjarg, Kap Dyrhólaey, Reynisfjara und Borgarfjörður Eystri sind alle mit dem Mietwagen erreichbar. Nur für die Inseln Akurey, Lundey (bei Reykjavík) oder Papey (im Osten) braucht Ihr eine Bootstour.
Darf man Papageientaucher füttern oder anfassen?
Nein, das ist strikt untersagt. Haltet immer Abstand und beobachtet die Tiere ausschließlich aus der Ferne, am besten mit Fernglas oder Teleobjektiv.
Fazit
Papageientaucher gehören zu den zugänglichsten Wildtier-Erlebnissen Islands – kein Boot, kein Guide, keine Wartezeit nötig, nur der richtige Ort zwischen Mai und August. Ob Ihr die dichteste Kolonie in Látrabjarg sucht, den entspanntesten Beobachtungspunkt in Borgarfjörður Eystri oder einfach einen kurzen Stopp am Kap Dyrhólaey einplant: Mit etwas Vorbereitung ist die Begegnung mit Islands buntestem Wappenvogel für praktisch jede Route möglich.