Unter dem Mýrdalsjökull, direkt über dem Vulkan Katla, öffnet sich jeden Winter eine der ungewöhnlichsten Eishöhlen Islands – schwarz statt blau, weil vulkanische Asche das Eis einfärbt. Diese Kombination aus Eis und Feuer macht die Katla-Eishöhle zu einem der ungewöhnlicheren Ausflugsziele der Südküste.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Was ist die Mýrdalsjökull-Eishöhle?
Der Mýrdalsjökull ist mit rund 595 km² der viertgrößte Gletscher Islands und bedeckt den aktiven Vulkan Katla vollständig. Unter dem Gletscherarm Kötlujökull bildet sich durch Schmelzwasser und geothermische Wärme jedes Jahr neu eine Eishöhle – ihre Form und Zugänglichkeit ändern sich deshalb von Saison zu Saison. Namensgebend ist die charakteristische schwarze Färbung: Vulkanasche aus früheren Katla-Ausbrüchen ist ins Eis eingeschlossen und sorgt für Schichten von tiefschwarz bis klarem Blau – ein deutlicher Kontrast zu den bekannteren blauen Eishöhlen im Vatnajökull.
Anfahrt & Touren
Ausgangspunkt für praktisch alle Touren ist Vík í Mýrdal, rund 2,5 Autostunden von Reykjavík entfernt. Die Höhle selbst liegt nicht direkt an der Ringstraße und ist nicht auf eigene Faust erreichbar – von Vík aus geht es in rund 45 Minuten mit einem geländegängigen Super-Jeep über schwarze Lavafelder zum Gletscherrand, gefolgt von einem kurzen bis mittleren Fußweg (meist 1-2 km auf unebenem, teils vereistem Untergrund).
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Eine geführte Tour ist hier keine Empfehlung, sondern Voraussetzung: Anders als z.B. am Vatnajökull gibt es keinen offiziellen, unabhängig zugänglichen Eingang. Guides kennen die aktuelle Form der Höhle, bringen Steigeisen und Helme mit und können bei plötzlichem Wetterumschwung oder Instabilität im Eis reagieren.
Preise & Buchung
Touren zur Katla-Eishöhle ab Vík starten bei umgerechnet knapp 170 € pro Person, meist als 3-4-stündige Tour inklusive Ausrüstung und Transport zum Gletscher. Wer bereits in Reykjavík startet, findet auch Kombi-Touren mit Transfer ab/bis Reykjavík, die entsprechend länger dauern. Mehrere lokale Anbieter mit Treffpunkt direkt in Vík (u.a. Midgard Adventure, Troll Expeditions und South Adventure) haben die Katla-Eishöhle im Programm — ein Preisvergleich lohnt sich, da Leistungsumfang und Gruppengröße variieren.
Katla: der Vulkan unter dem Eis
Der Mýrdalsjökull verdankt seine geologische Berühmtheit dem Vulkan Katla, einem der aktivsten und gefürchtetsten Islands. Sein letzter bestätigter Ausbruch liegt 1918 zurück – nach heutigem Stand die längste dokumentierte Ruhephase der Katla-Geschichte, weshalb isländische Vulkanologen sie statistisch als überfällig einstufen. Das Isländische Wetteramt (Veðurstofan) überwacht Katla kontinuierlich mit Seismometern, GPS-Messungen und Flusspegeln; Stand 2026 gibt es keine akuten Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch, auch wenn wiederkehrende Erdbebenschwärme zeigen, dass der Vulkan aktiv bleibt. Guides vor Ort sind mit den aktuellen Warnstufen vertraut – ein zusätzlicher Grund, warum ein Besuch nur geführt stattfinden sollte.
Ganz untätig war der Berg zuletzt trotzdem nicht: Im Juli 2011 löste eine plötzliche Gletscherflut (Jökulhlaup) im Fluss Múlakvísl südöstlich des Gletschers innerhalb weniger Stunden rund 18 Millionen Kubikmeter Schmelzwasser aus und riss die Brücke über den Fluss mit sich. Ob dahinter ein kleiner subglazialer Ausbruch oder nur verstärkte hydrothermale Aktivität ohne Magma-Beteiligung steckte, ist bis heute nicht abschließend geklärt — ein Beispiel dafür, dass sich unter dem Eis des Mýrdalsjökull auch ohne sichtbaren Ausbruch einiges tut.
Sicherheit & Ausrüstung
- Kleidung: Warme, wasserfeste mehrlagige Kleidung, feste Wanderschuhe, Mütze und Handschuhe – in der Höhle bleibt es ganzjährig kalt.
- Ausrüstung: Steigeisen und Helm werden von den Tour-Anbietern gestellt.
- Fitness: Normale Kondition reicht, der Fußweg über unebenes Gelände sollte aber nicht unterschätzt werden.
- Auf eigene Faust: Nicht möglich bzw. dringend abzuraten – ohne Guide fehlt der aktuelle Kenntnisstand über Eisstabilität und Fluchtwege.
Fotografie-Tipps
Die schwarz-blauen Schichtungen im Eis sind das fotografische Alleinstellungsmerkmal dieser Höhle. Eine längere Belichtungszeit (Stativ empfehlenswert) bringt Tiefe und Farbkontraste besser zur Geltung als ein einfacher Schnappschuss mit dem Handy. Guides kennen meist die besten Blickwinkel innerhalb der Höhle und geben auf Nachfrage gerne Tipps.
Wer neben der Eishöhle auch einfach nur auf dem Gletscher selbst laufen möchte, ohne extra Zeit für die Höhlentour einzuplanen: Viele Anbieter kombinieren den Ausflug optional mit einer kürzeren Gletscherwanderung auf dem Kötlujökull-Ausläufer direkt daneben — das lässt sich beim Buchen meist dazu wählen.
Was liegt in der Nähe?
- Vík í Mýrdal: Ausgangspunkt aller Touren, mit Tankstellen, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten.
- Reynisfjara: der schwarze Sandstrand mit Basaltsäulen, nur wenige Fahrminuten von Vík entfernt.
- Eishöhlen Island im Vergleich: Übersicht, welche Eishöhle am besten zu Eurer Reise passt.
- Hjörleifshöfði: einsamer Tafelberg auf dem Mýrdalssandur, geologisch auf dieselbe Weise unter Gletschereis entstanden wie viele Formen im Katla-Gebiet.
Wo übernachten?
Da alle Touren in Vík starten, bietet sich eine Übernachtung dort an, statt am Tourtag von weiter weg anzureisen. Unterkünfte in Vík lassen sich z.B. über Booking.com* vergleichen – in der Hochsaison früh buchen.
Häufige Fragen zur Mýrdalsjökull-Eishöhle
Warum ist das Eis am Mýrdalsjökull schwarz?
Vulkanasche aus früheren Ausbrüchen des Katla-Vulkans ist im Gletschereis eingeschlossen und färbt es schwarz bis dunkelgrau, während reineres Eis daneben klar-blau bleibt.
Kann man die Katla-Eishöhle ohne geführte Tour besuchen?
Nein. Es gibt keinen unabhängig zugänglichen Eingang, und ohne aktuelle Kenntnis der Eisstabilität ist ein eigenständiger Besuch gefährlich. Alle Anbieter setzen eine geführte Tour voraus.
Ist der Katla-Vulkan aktuell aktiv oder gefährlich für Besucher?
Katla wird von der isländischen Wetterbehörde durchgehend überwacht. Stand 2026 gibt es keine akuten Anzeichen für einen unmittelbaren Ausbruch, auch wenn der Vulkan statistisch als überfällig gilt. Guides sind mit dem aktuellen Warnstatus vertraut.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Die Höhle bildet sich saisonal neu, meist ist ein Besuch von Herbst bis Frühling möglich, wenn die Struktur stabil genug ist – Anbieter aktualisieren die Verfügbarkeit laufend, am besten kurz vor der Reise direkt beim Tour-Anbieter nachfragen.
Fazit
Die Mýrdalsjökull-Eishöhle ist wegen der schwarzen Vulkanasche-Schichten eine der ungewöhnlicheren Eishöhlen Islands – und wegen der Nähe zu Vík gut in eine Südküsten-Route einzubauen. Wer schon einmal eine blaue Eishöhle gesehen hat, bekommt hier einen deutlichen optischen Kontrast dazu.